In einem kürzlich gegen den Einspruch Trumans vom Kongreß beschlossenen Gesetz über die Bekämpfung des Kommunismus in den USA sind, neben Bestimmungen über die Registrierung der Kommunisten und über die Internierung gefährlicher Elemente im Falle eines Notstandes, auch Vorschriften zur weiteren Erschwerung der Einreise und Einwanderung von Kommunisten und anderen Totalitären enthalten. Das hat jetzt dazu geführt, daß ein Hamburger Kaufmann, der als Entnazifizierter der Gruppe V kurz zuvor ein Einreisevisum erhalten hatte, bei seiner Ankunft in den USA in Ellis Island festgesetzt und an der Einreise verhindert wurde. Viele Deutsche, die sich in der letzten Zeit um Einreisevisen beworben hatten, sind von den amerikanischen Konsulaten unterrichtet worden, daß sie zunächst nicht einreisen können. Unter ihnen befinden sich auch solche, die im Zuge einer besonderen Aktion auf Wunsch des amerikanischen Oberkommissars zu Studienzwecken nach den USA reisen sollten.

Natürlich war das nicht die Absicht des Gesetzgebers, und es liegt die Vermutung nahe, daß die Washingtoner Administration, über deren Veto der Kongreß sich hinweggesetzt hatte, durch eine solche Interpretation das Gesetz selbst ad absurdum führen wollen. Offenbar hat diese Möglichkeit die New York Times zu der Feststellung veranlaßt, daß das State Department unter solchen Umständen in die Lage versetzt sei, nunmehr von sich aus zu definieren, was eigentlich "totalitär" heißt. Im Anblick der gesetzlichen Folgen ist es in der Tat von Interesse, ob außer den Deutschen, die der Nationalsozialistischen Partei angehörten, auch diejenigen gemeint sind, die zum Beispiel nur in der Arbeitsfront waren, ferner sämtliche Spanier, Jugoslawen, Argentinier... Dazu sollte man bedenken, daß reisende Kaufleute niemals totalitär sind. Totalität ist stets nur ein Staat. Beispielsweise ein Staat, der Menschen auf Grund eines politischen Verdachts ohne Verfahren interniert... H. A.