N" icht als gejagter Vagant soll iman durch dieses Land ziehen, sondern sich genügend Zeit nehmen. Am besten, man steigt zunächst einmal auf das Ulmer Münster oder die Veitsburg oberhalb von Ravensburg — dies äst kein übler Ausgangspunkt — mnd holt tief Atem. Den Atein dieses Landes, das sich da ausbreitet zwischen der Donau, dem "lyrischen" unter den großen Strömen, und d_em "See", dem sanften schwäbischen Meer — früchtereich, voller frischer Düfte, ausgewogen, sinnenihaft, weinselig önd von heiterer, beweglicher und manchmal erregbarer Seele, die ihren schönsten Ausdruck im Barock fand, in schwingenden Räumen, in der Seligkeit der Putten und Heiligen, in der heiteren Ordnung barocker Musik. Nach erster Umschau auf das vieltürmige Ravensburg — Türme sind immer ein gutes Zeichen, ein Zeichen für Umschau, Weitblick und Wachsamkeit — wende man sich, wohin man Lust hat und bewege sich frei in der freien Reichsstadt Ravensburg, die eine Gründung der — Weifen ist- Heinrich der Löwe, der Niedersachse, kam hier im südlichsten Zipfel des Reiches zur Welt! Man muß seine Sinne schärfen und eine Land schaft wie diese sehen umd hören, riechen — und, ja, auch schmecken. Einzig Frledrichiiafens großzügige Fassade hat durch den Krieg einige Kratzer bekommen, die noch nicht verheilt sind trotz dem aufbauenden Eifer der Stadt. Wenige Kilometer nach Osten und Westen locken Meersburg — das gegenüberliegende Ufer mit Konstanz und der Mainau — und für elegante Reisende Bad Schachers. Wer sich aber gern der Illusion überlädt "Entdeckungen" zu machen, meidet die bekannteren Namen. Es heißt nicht, daß er in Langenargen oder Kreßbronn in eine Wildnis gerät — im Gegenteil, er findet schon für eine Tagcspension von 6 DM frisch hergerichtete Zimmer, gute Küche, den See vor der Nase, und im Rücken Wiesen, Qbstbäume und Wein. Das Städtchen Tettnang liegt auf dem Wege für den, der den See verläßt und in die vorgebirglerische Einsamkeit- des württembergischer! Allgäus strebt. Im Mai kann man dort "Spargelorgien" feiern; auf 25erlei Art bekommt man die Landesfrucht vorgesetzt, wovon man sich mindestens die Hälfte — unter anderem mit Schlagsahne — nicht träumen läßt. Abgesehen von diesem kulinarischen Barock findet man in dem Neuen Schloß der einst mächtigen Grafen von Montfort ein Sinnbild für Glanz und Elend der kleinen Herren, die an ihrer Baulust zugrunde gingen, aber auch damit künstlerische Kräfte freimachten, die sonst nie einen Ausdruck gefunden härten. Im Festsaal thront auf mächtigem Weinfaß ein üppiger Bacchus inmitten etwas streng blickender Herren nd Damen — eine stete Mahnung dieses ra uschseltigen Landes, die "guten Geister" nicht zu vergessen. In diesen Oktobertagen, da der neue "Federweiße" ausgeschenkt wird, soll man dies gewiß nicht Mm. Kurz vor dem eigentlichen Eingang zum stillen — der Fremdenverkehr würde sagen "idyllischen" — Aligäu liegt Wangen, eine reichsunmitttlbare Stadt bis zur Säkularisation, heute eine allerdings besonders hübsche und mit einem frühbarocken Rathaus gezierte Kleinstadt. Ein gelehrter Historiker belehrte den Chronisten, daß die Gegenwart dieser einst bedeutenden Handelsstadt — "Käse" sei, nämlich der hier in mühsamem Vorgang und riesigen Rädern gezüchtete "Allgäuer". Isny nahebei ist die kleinste unter den reichsfreien Städten. Sicher, sie hat