Je universeller ein Dichter ist, desto schwerergelingt es ihm, allseitig gewürdigt zu werden. Viele kennen Hans Brandenburg, den Wahlbayern aus dem Wuppertal, nur als den Dichter herb und streng geformter Verse; sieben lyrische Bände umfaßt die längst vergriffene Gesamtausgabe seiner "Gedichte." (eine vorzügliche Auswahl brachte unter dem Titel "Gipfelrast" kürzlich der Piper-Verlag). Anderen ist er nur als Erzähler des humorvollen Sippenromans "Vater öllendahl" bekannt. Weniger durchgedrungen sind seine Bühnenspiele, in denen er sich um einen chorischen Theaterstil bemühte. Der Reform des Tanzes diente sein Buch "Der moderne Tanz".

Eine Auswahl von Brandenburgs wertvollen Essays hat zu seinem fünfundsechzigsten Geburtstag (18. Oktober) die Deutsche Verlagsanstalt – unter dem Titel "Vom reichen Herbst" (DM 2,50) erscheinen lassen. Sie zeigen die rastlose, aber niemals geräuschvolle Erregbarkeit eines echten Betrachters, der, seinem Freunde Hans Carossa ähnlich, den Abstand zu den Dingen wahrt, um ihrer desto gründlicher ansichtig zu werden. P. S.