Vor einigen Tagen wurde in Paris die in Turfkreisen sehr bekannte Comtesse Fides de Marliave verhaftet. Die Verhaftung war der Epilog zu vierjährigen Bemühungen der Pariser Polizei, den Familienschmuck der Familie de La Rochefoucauld im Wert von 100 Millionen Francs (1,5 Millionen DM) wiederzufinden, der auf eine merkwürdige Weise verschwunden war. – Der Graf Bernard de La Rochefoucauld erfuhr 1943, daß er verhaftet werden sollte. Da übergab er den Schmuck einer Vertrauensperson, um ihn vor dem Zugriff der deutschen Besatzungsbehörden zu sichern. Er wurde nach Dachau gebracht, wo er ein Jahr später starb, ohne daß er Gelegenheit hatte, seiner Frau, die ebenfalls in Dachau interniert war, mitzuteilen, bei wem er den Schmuck deponiert hatte. Nach dem Kriege versuchte die Gräfin festzustellen, wo ihr Schmuck versteckt war. Schließlich nahm sie die Hilfe der Polizei in Anspruch. Aber auch die Polizei kam mit ihrer Untersuchung vier Jahre nicht weiter. Vor kurzem aber meldete sich ein Resistance-Mann, der in Dachau am Totenbett von de La Rochefoucauld gestanden hatte. Er erzählte, daß der Schmuck der Comtesse de Marliave zur Aufbewahrung übergeben worden war. Die Polizei machte eine Haussuchung in der Pariser Wohnung der Comtesse und fand dort eine Kassette mit einigen der Schmuckstücke; der größte Teil des Schmuckes war nicht mehr vorhanden. Die Comtesse de Marliave verneinte, als sie von der Polizei befragt wurde, ob sie die Juwelen des Herrn de La Rochefoucauld aufbewahrt habe, mit großer Entrüstung. Aber sie legte ein Geständnis ab, als die Polizei den Rest des Schmuckes gefunden hatte. Die fehlenden Stücke habe sie in einer Zeit finanzieller Schwierigkeiten verkauft.

Wie viele solcher Fälle mag es im Gefolge des letzten Krieges gegeben haben? F.