II. Wie Kann sich die Zivilbevölkerung schützen? – Amerikanische Sicherheitsmaßnahmen

Die weltweite Furcht vor einem dritten Weltkrieg umschließt die weltweite Angst vor den Atombomben. Seitdem man – mit einiger Sicherheit annehmen darf, daß auch die Sowjetunion das "Atomgeheimnis" besitzt und seitdem amerikanische Soldaten den Hauptanteil am ost-westlichen "Probekrieg" in Korea tragen, ist Amerika nicht nur mehr und mehr mit der Herstellung neuer Atomwaffen beschäftigt, sondern zugleich mit der Vorbereitung zu Abwehrmaßnahmen gegen Atombomben, die in einem zukünftigen Weltkrieg auch auf Städte wie New York fallen könnten. "Die Wirkungen der Atomwaffen", so heißt eine neuerdings in Amerika erschienene und stark verbreitete Schrift, auf deren Angaben dieser Bericht fußt, mit dessen Veröffentlichung "Die Zeit" in der vorigen Ausgabe begann. Dort waren die Wirkungen und die äußeren Kennzeichen einer Atombomben-Explosion beschrieben, hier nun einige Verhaltungsmaßregeln, deren Kenntnis, wie die amerikanischen Experten meinen, dazu dienen kann, die panische Angst vor den Atomwaffen zu verringern oder gar zu überwinden ...

Aus den Beobachtungen bei der Explosion der Atombombe über einer Wasseroberfläche in etwa 700 Meter Höhe, wie es bei dem Able-Versuch in Bikini der Fall war, kann geschlossen werden, daß die Schäden an Häusern und an den Einrichtungen an Land ungefähr die gleichen sind wie bei einer Explosion über dem Erdboden-Nach den Bikini-Ergebnissen werden Schiffe aller Typen in einer Entfernung von 800 bis 900 Meter vom Boden-Nullpunkt entweder versenkt oder schwer beschädigt werden. Mittlerer Schaden wird bis 1200 Meter und geringerer bis 1800 Meter eintreten. Die Beschädigungen an Kesselanlagen werden bis zu 800 Meter schwer, bis zu 1200 Meter mittelschwer und bis zu 1500 Meter leicht sein. In den meisten Fällen werden die Schiffe jedoch unbeweglich werden.

Bei einer Unterwasser-Detonation pflanzt sich der größte Teil der Explosionswelle durch das Wasser fort. Die Vernichtungszone für alle Überwasserfahrzeuge liegt in einem Gebiet mit einem Radius von 350 bis 500 Meter vom Oberflächen-Nullpunkt. Aber auch Schiffe, die sich in einer Entfernung bis zu, 800 Meter befinden, können versenkt werden, mit Bestimmtheit erleiden sie schwere Schäden. Bis zu einer Entfernung von 1100 Meter ist mit einem Verlust der Manövrierfähigkeit zu rechnen. Getauchte U-Boote werden wahrscheinlich innerhalb einer Entfernung bis zu 900 Meter vernichtet werden. Durch die Explosionswelle einer in seichtem Wasser etwa 800 Meter von der Küste unter Wasser explodierenden Bombe würden schwere Beschädigungen an Hafeneinrichtungen und Lagerhäusern hervorgerufen werden.

Zu dem durch die Explosionswelle hervorgerufenen Schaden tritt noch derjenige, der aus einer sich bildenden Flutwelle entstehen kann. In Bikini erreichte diese Welle in einer Entfernung von 1600 Meter vom Boden-Nullpunkt eine Höhe von sechs Meter und in einer Entfernung von 3200 Meter eine Höhe von drei Meter. Bei einer Explosion in seichtem Wasser würde die Wellenhöhe bei den gleichen Entfernungen vom Oberflächen-Nullpunkt doppelt so groß sein. Wenn derartige Wellen die Ufer überfluten, können sie ernste Beschädigungen an Hafeneinrichtungen und Lagerhäusern hervorrufen, sagt das amerikanische Handbuch.

Die gefährlichen thermischen Strahlen

Explodiert eine Atombombe in einer Tiefe von etwa 15, Meter in einem normalen Erdreich, so entsteht ein Krater von etwa 270 Meter Durchmesser und 33 Meter Tiefe. Das ausgestoßene Kratermaterial ist stark radioaktiv. Es wird – wie Versuche ergeben haben – mit dem Wind bis zu einer Entfernung von 1600 Meter und gegen den Wind bis zu 350 Meter verteilt. Während auf die Sprengwirkung einer Bombe etwa 50 bis 60 v. H. aller Todesfälle zurückzuführen sind, müssen dem Einfluß thermischer Strahlen zwischen 20 und 30 v. H. zugeschrieben werden. Fallen diese thermischen Strahlen auf einen Gegenstand, so wird ein Teil von ihnen reflektiert, ein anderer absorbiert. Der Grad der Absorbierung hängt von der Beschaffenheit des Gegenstandes und seiner Farbe ab. Ein schwarzer Gegenstand absorbiert einen viel größeren Teil, als ein Gegenstand aus dem gleichen Material, der weiß ist. Der größte Teil der absorbierten thermischen Strahlen verwandelt sich in Hitze. Die bei den Explosionen in Japan durch die thermische Strahlung am Boden-Nullpunkt erzeugte Hitze lag wahrscheinlich zwischen 3000 und 4000 Grad. Da aber die Temperatur schnell mit der Vergrößerung der Entfernung vom Boden-Nullpunkt sinkt, nimmt auch die thermische Strahlung schnell ab. Immerhin ist die Strahlenwirkung noch auf. Entfernungen bis zu 3,5 Kilometer festgestellt worden. Die bei einer Absorbierung der thermischen Strahlen entwickelte starke Hitze führt bei dem menschlichen Körper zu schweren Verbrennungen. Da aber die Strahlen sich in geraden Linien fortbewegen, werden sie nur dort schädliche Folgen hervorrufen, wo sie direkt die ungeschützte Haut treffen, in erster Linie also bei Menschen, die sich im Augenblick der Explosion im Freien oder im Hause in der Nähe eines Fensters befinden. Eine eindeutige Illustration hierzu war jener Mann in Nagasaki, der im Augenblick der Explosion vor einem Fenster saß und schrieb. Während seine Hände schwere Brandwunden erhielten, erlitten sein Gesicht und sein Hals nur geringe Verbrennungen, weil der Einfallwinkel der Strahlen derart war, daß Gesicht und Hals sich teilweise im Schatten befanden. Obwohl Verbrennungen durch thermische Strahlen in der Hauptsache auf unbedeckte Körperteile beschränkt blieben, gab es doch Fälle, in dienen sich Hautverbrennungen trotz ein oder mehrerer Stoffschichten einstellten. Hierbei ergab es sich, daß diese Verbrennungen in erster Linie dort eintraten, wo die Bekleidung eng am Körper anliegt, wie zum Beispiel an den Schultern und Ellbogen. Da weiße oder helle Farbe die thermischen Strahlen reflektiert, gewährt sie im allgemeinen einen besseren Schutz als dunkle Kleidung. Ein Beweis hierfür war jene Frau, die zur Zeit der Explosion einen Kimono trug. Ihr Rücken und ihre Arme wurden dort, wo die Farbe des Kimonos dunkel war, verbrannt, während die Haut unter den hellen Teilen des Kimonos zum großen Teil unverletzt blieb.