Korea plus beginnendes Weihnachtsgeschäft plus Aussicht auf "bessere" Preise plus Weltmarkt-(Rüstungs-)Einflüsse für Aus- wie Einfuhr plus etwas Spekulation – das alles wirkt heute mit, kumulierend. Was ist da, für die einzelnen Industriezweige betrachtet, Ursache und was Wirkung? Die Auftragseingänge nehmen (siehe August-Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums) sprunghaft zu. Gegenüber den laufenden Umsätzen (= 100) stechen im Grundstoff bericht die Aufträge bei den Stahlwalzwerken hervor (260,7 im August; 145,5 im Juni). Bei den Investitionsgütern liegen die Aufträge bei Ziehereien um 187,1 über Umsatz (Juni 125,9), beim Maschinenbau um 139 (Juni 113,5). Bei den Verbrauchsgütern ist die Situation entsprechend. Porzellan – was wurde da geklagt! – hat Auftragseingänge von 164,9 im August (Juni 95,1) im Verhältnis zum Umsatz (= 100) zu verzeichnen. Textilien stehen ähnlich bei 148,3 Aufträge (Juni 89,3), Schuhe bei 143,7 (Juni 103,8). Bei vom Baumarkt – nur 39 v. H. des Volumens ist Wohnungsbau – abhängigen Zweigen fallen nur die Gruppen sanitäre und technische Keramik aus dem Gleichklang von Umsatz und Auftrag.

Engpässe hin, Engpässe her: Die Aufträge, mögen verschiedene auch spekulativer Natur sein, führten zu erhöhter Produktion (um 4,9 v. H. im Gesamtdurchschnitt auf 112,5 v. H. von 1936 und liegen um 28,9 v. H. über August 1949) und zur Verlängerung der Lieferfristen. Die stärksten Zunahmen zeigen von Juli auf August die NE-Metalle um 9,8 v. H., Chemie um 8 v. H., Mineralöl um 29,5 v. H., Gummi um 8,7 v. H., Fahrzeuge um 11,9 v. H. (30 v. H. Exportanteil), Elektrotechnik um 12,1 v. H., Textilien um 10‚4 v. H., Leder um 14 v. H., Schuhe um 31,6 v. H. In Spezialzweigen: Naturseidengarne + 40 v. H., gegen Juli, technische Leder + 42 v. H., Arbeitsschule + 56,7 v. H.

Es müssen also, wenn die Erzeugung so sprunghaft erhöht werden kann – und zwar auf fast allen Gebieten; dies hier ist ja nur eine Auswahl –, beträchtliche Produktionsreserven vorhanden gewesen sein. Der Mangel liegt heute in zu wenig Kapital und in zu wenig Facharbeitern. Die Praxis hat bewiesen, daß die westdeutsche Produktionskapazität insgesamt doch größer war, als gemeinhin die offizielle Politik angenommen hat. Jetzt wirkt die Hausse, die zweifellos übertrieben und somit ungesund ist, stark auf die Preise, obwohl die bessere Kapazitätsausnutzung doch zur betrieblichen Kostensenkung führt, also ökonomisch gerechtfertigte Lohnaufbesserungen theoretisch wohl zulassen müßte.

Bitte nicht einwenden, die erhöhten Weltmarktpreise hätten die Kalkulation schon jetzt umgeworfen. Das stimmt nur teilweise. Wo es der Fall ist, da kann man ja zum "Grundpreis 61 Rohstoffverteuerungszuschläge ausweisen, wie es in einigen Branchen bereits geschieht. W–n.