Gießen, im Oktober

Unter die "Klassischen Stücke", wie man jetzt die Buchausgabe von Shaws erfolgreichsten Werken nennt, wird man, Buoyant Billions (deutscher Titel: "Zu viel Geld") dereinst gewiß nicht zählen. Diese Arbeit des – damals – Zweiundneunzigjährigen ist nicht viel mehr als eine Causerie über etliche Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich bereits Shaws Schulweisheit viel und besseres träumen ließ. Im nachatomistischen Zeitalter – wie er unsere Gegenwart nennt –, zwischen der Londoner Society und dem Urwald von Panama läßt es eine triviale Liebesgeschichte spielen, an deren belanglosem und nur sprunghaft skizzierten Gerüst allerlei zeitkritische Sottisen aufgehängt sind. Über Gott und die Welt, Liebe und Ehe, vor allem über das Geld wird zwei Stunden nur diskutiert. Immerhin hat G. B. S. selbst es a comedy of no manners genannt, was nicht nur mit "ohne Manieren", sondern auch "in keinerlei Stil" übersetzt werden soll; an Selbstironie hat es dem großen Alten ja niemals gemangelt. Die deutsche Erstaufführung am Theater der Stadt Gießen (Regie Kurt Sauerland) bemühte sich leider so sehr um die Längen des Stückes, daß es zu seinem Esprit nicht mehr langte. USE.