Eine glanzvolle Veranstaltung: fünfhundert Gäste, Freunde und Mitglieder waren der Einladung des Ibero-Amerikanischen Vereins gefolgt, um im Hotel Atlantic in Hamburg den Die de la Raza, den Nationalfeiertag der iberoamerikanischen Nationen, festlich zu begehen, den 12. Oktober als den Tag der Entdeckung Amerikas. Herr Waitz, der Vorsitzende des in Hamburg und Bremen domizilierenden großen "Ländervereins", begrüßte die stattliche Versammlung, die danach die Übertragung einer Ansprache des Bundespräsidenten Prof. Heuss anhörte. Für die Gäste aus Übersee sprachen der brasilianische Botschafter, Exzellenz de Pimentel Brandao, und der Gesandte Uruguays, Exzellenz Carlos A. Clulow. Die Schlußansprache fiel Ministerialdirektor Dr. v. Maltzan zu, während Prof. Erhard eingangs gesprochen hatte.

Der Bundeswirtschaftsminister erklärte, daß die Regierung an ihrer Politik der Liberalisierung des Außenhandels festhalten und diese noch weiter Vorantreiben werde. Der Import-Stop sei freilich notwendig geworden, um spekulativen Auswüchsen zu begegnen. Bei aller Sympathie für den Begriff "Gewerbefreiheit" könne man das Auftreten berufsfremder Elemente im deutschen Außenhandel, speziell auf dem Gebiet des Imports, eben doch nicht dulden. Man werde, ebenso wie auch gegenüber spekulativen Machenschaften im Binnenmarktgeschäft, dafür sorgen, daß der reinen Spekulation das Leben so schwer gemacht würde, wie nur möglich.

Herr von Maltzan wies darauf hin, daß die Entwicklung des Außenhandels mit den iberoamerikanischen Ländern im Verlaufe des letzten Jahres die kühnsten Erwartungen der Sachverständigen übertroffen habe. Als er vor einem Jahre vor dem gleichen Kreis sprach, hätte er davon ausgehen können, daß auf Grund der bestehenden Verträge je rund 100 Mill. $ auf der Einfuhr- und der Ausfuhrseite an Umsätzen zu erwarten waren. Inzwischen aber seien die Beträge auf das Fünffache gestiegen! Damit hat der Warenaustausch mit Süd- und Mittelamerika etwa den gleichen Umfang erreicht, wie mit dem Sterling-Block. Mit besonders herzlichen Worten gedachte Dr. v. Maltzan der mannigfachen Unterstützung, die er bei den Verhandlungen in Rio gefunden habe, als der erste Handelsvertrag mit Brasilien in unerwartet kurzer Zeit zum Abschluß gebracht werden konnte. Er begrüßte es, daß wir nun endlich an den wichtigsten Plätzen Lateinamerikas amtliche deutsche Vertretungen einrichten könnten; zusätzlich seien ja auch aufklärende Maßnahmen angebracht, um dort noch vorhandene Vorstellungen über die "zerrüttete deutsche Wirtschaft" allmählich zu beseitigen und einen richtigen Eindruck von unseren Liefermöglichkeiten zu vermitteln. Mit seinem Dank für das Verständnis, das Südamerika den Wirtschaftlichen Bestrebungen der Bundesrepublik entgegenbringt, verband der Redner abschließend den Wunsch für eine freie Entfaltung des Überseehandels, im Interesse der Fortentwicklung und Stabilisierung der europäischen Wirtschaft.

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Am Vortage, am 11. Oktober also, hatte die deutsche Sektion der Internationalen Handels kammer ihre Mitglieder und eine kleinere Zahl von Gästen in den gleichen Räumen für einer Empfang zu Ehren des Präsidenten der IHK Mr. Reed, versammelt. Von der Bundesregierung war Minister Dr. Seebohm gekommen; Bremen, das auch am Dia de la Raza stark vertreten war entsandte die Senatoren Wenhold und Dr. Apelt, Neben Bürgermeister Brauer war der High Commissioner für Hamburg, Dr. Dunlop, anwesend. Für die deutsche Sektion begrüßte, in Vertretung von Dr. Merton-Frankfurt, Generaldirektor Schmid (Zellstoff Waldhof) die Gäste und Mitglieder. Eine recht eindrucksvolle Ansprache von Mr. Philipp D. Reed über die Stellung des Wirtschaftlers in dieser unserer Zeit und über seine mannigfachen Aufgaben, auch seine Verpflichtungen der Allgemeinheit gegenüber, beschloß den offiziellen Teil des Abends und leitete über zu vielfältigen zwanglosen Aussprachen im Kreise der Gäste und Mitglieder. n. f.