Nein, ich nenne den Namen nicht. Ich sage nur, es ist ein Getränk, genauer: ein Kaltgetränk. Und nun darf jeder dreimal raten. Um es noch etwas leichter zu machen: er findet den Namen durchschnittlich fünfmal täglich in seiner Zeitung. Den Anzeigenteil braucht er nicht durchzusehen, denn die Leute, die das Getränk herstellen, pflegen nicht in großen Zeitungen zu inserieren und abonnieren auch keine Seite in den Ro-Ro-Ro-Taschenbüchern. So gut floriert ihr Unternehmen, daß sie das gar nicht nötig haben. Wie sie das machen? Indem sie gar nichts tun, als, nach einem überseeischen Rezept das Getränk herzustellen. Alles andere überlassen sie der spontanen und ganz und gar ehrenamtlichen Mitarbeit der deutschen Schriftsteller. Diese nämlich wissen sich, seitdem es besagtes (aber hier nicht zu besagendes) Getränk in Deutschland gibt, nichts Schöneres an Sonn- und Feiertagen (und auch werktags) als den Namen der perlenden Flüssigkeit so oft wie möglich in ihre Feuilletons, Skizzen, Kurzgeschichten und Reportagen einzuflechten. Früher ließen sie die Figuren, die sie belichteten, in sommerlicher Hitze oder nach lebhafter Geistesarbeit oder auch aus purem Durst einen Sprudel trinken oder einen Schluck Sekt oder ein Gläschen Bier. Heute fällt ihnen nur noch eine einzige Erfrischung ein – eben die, von der ich hier spreche, die ich aber partout nicht nenne. Das hieße ja Eulen nach Athen tragen. Denn während es früher jeder Autor vermied, die Marke zu erwähnen, die sein Durstiger konsumierte, und beileibe nicht etwa schrieb, dieser habe sich beim Kellner ein Apollinaris oder eine Kupferberg-Gold oder ein Schultheiß-Patzenhofer oder einen Asbach-Uralt mit Soda bestellt (das hätte doch ausgesehen, als werde er von den betreffenden Firmen honoriert), setzt er heute munter den Markennamen jenes überseeischen Kaltgetränks in sein Manuskript. Sogar wenn er sich über heutige Werbemethoden lustig machen will, wirbt er – unfreiwillig – für das faszinierende Produkt, indem er (wie jüngst ein Satiriker tat) den finanzschwächeren Bühnen empfiehlt, sich die Methode der Ro-Ro-Ro-Taschenbücher zum Muster zu nehmen und in klassische Verse kleine Werbesprüche einzuschieben, nach "Nachbarin, euer Fläschchen" zum Beispiel: (Nein, ich sag’s nicht!) Ungeforderte, ungeplante, unbezahlte Massenpropaganda – ein Anlaß zum Neid für alle Hersteller von anderen Markenartikeln. co–la.