V A e r gehofft hatte, auf dem 38. Deutschen Juristentag in Frankfurt auf kämpferische Frauenrechtlerinnen zu stoßen, die die Aufgabe der Bürgerlich rechtlichen Abteilung: Angleichung der Gesetze an die verfassungsmäßig ewährleistete Gleichberechtigung der Frau — fnatisch verfochten hätten, der mußte enttäuscht werden. Es ging darum — wie wohl immer bei ier Gesetzesschöpfang auf ähnlichen Göbieten —, das geltende geschriebene Recht mit dem wirklichen Leben in Übereänstimmuing zu bringen., Die Stellung der Frau ist in Wahrheit längst nicht mehr die, die das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) festlegt. Sie war es schon nicht imelhr, als das BGB in Kraft trat. Und sie hat sich in den umwälzenden Geschehnissen der letzten Jahrzehnte noch viel stärker gewandelt. Es braiuehi kämm noch einmal betont zu werden, was die Frau gerade im vergangenen Jahrzehnt an psychischen und physischen Kräften aufgewandt hat — Kräften, denen zu einem wesentlichen Teil die Erhaltung dessen zu danken ist, was uns<r Volk an materiellen und menschlichen Worten aus der Katastrophe retten konnte.

Diese Erkenntnis- mnd Anerkenntnis mag es wohl gewesen sein, die die Mehrzahl der Männer Teraniaßte, eBTskbtsvoii tmd mm überlegener Selbstverständlichkeit auf Rechte au verachten, die längst keine "Rechte" mehr sind. So haben die VeAaridikmgen der versammelten Juristen auch den Eindruck ausgelöscht, als ab sich der Neugestaltung der deutschen Gesetzgebung hinsichtlich der Gleichstellung der Frau nocli allgemeiner Widerstand entgegensetze.

Die Vorschläge zair Änderung der bestehenden Gesetze fanden größtenteils die einmütige Zustimmung der Versammelten. Das alleinige Entscheidungsrecht des Mannes in allen das gemeinschafcliche Leben in der Ehe angehenden Fragen soll künftig durch ein gemeinsames Entscheidungsrecht beider Ehegatten ersetzt werden. Ebenso soll auch die elterliche Gewialt künftig in Händen beider Eltern liegen. In jeder guten oder normalen Ehe haben schon stets Mann und Frau miteinander abgesprochen, wohin die Badereise gehen und welche Wohnung gewählt werden soll oder ob die Tochter Nylonstrümpfe tragen oder der Junge auf das humanistische Gymnasium gehen darf. Eine entsprechende Gesetzgebung bestätigt also nur das tatsächliche Leben. Ein. Eingriff des Staates oder des Richters soll nach Möglichkeit ausgeschaltet und nur dann vorgesehen werden wenn das Interesse des Kindes ihn unbedingt erfordert. Allgemein neigte man zu der Ansicht, daß eine Ehe, in der eiuie Einigung erwachsener Menschen über Dinige des gemeinschaftlichen und persönlichsten Lebens nicht mehr möglich ist ohne staatliche Instanz, auch in ihrem Bestand so unterhöhlt ist, daß sie nicht mehr aufrechtzuerhalten sein wird. Weiter muß als eine heute nicht mehr berechtigte Bevoranunidung der Ehefrau das JLeeht des Mannes forrfallen, ihr Arbeitsverhätttiis ohne ihr Einverständnis z kündigen. Das Einkommen der selbständig beruf stättgen Frau ist mach geltendem Steuerrieeht dem des Ehemannes zugeschlagen und demnach höher versteuert, während im allgemeinen die Eheschließung eine Steuererleichterung mit sich bringt. Auch hier muß die gemeinsame steuerliche Veranlagung der Bhelaute künftig fortfallen. — Die im vorläufigen Beamtengesetz vorgesehene Entlassung der verheirateten Beamtin wurde von