Vom U-Boot zur Kanzel" heißt der Lebensbericht Martin Niemöllers. Den Weg zurück scheint der heutige Kirchenpräsident auf keinen Fall mehr gehen zu wollen. Auf dem "Evangelischen Landesmännertag" in Frankfurt hat er erneut erklärt, die Freiheit des deutschen Volkes könne nicht mit den Waffen verteidigt werden. Wiederum sprach sich der ehemalige U-Boot-Kommandant gegen die "schon begonnene Wiederaufrüstung aus Er berichtete den erstaunten Zuhörern, ein Generalleutnant habe ihm mitgeteilt, daß er die Führung eines Organisationsstabes in Würzburg bereits übernommen habe. Den Namen des Offiziers nannte Niemöller nicht –: anscheinend möchte er diesmal das übliche Dementi vermeiden, das er bis jetzt nach jeder Rede, die er seit Kriegsende gehalten hat, herausgeben mußte. Niemöller erklärte, die Evangelische Kirche trete für die Freiheit des ganzen Volkes ein und nehme das Risiko auf sich. Mit dem Risiko meint Niemöller ja wohl die Gefahr, der eine wehrlose Bundesrepublik gegenüber dem bewaffneten Osten ausgesetzt ist. Deshalb wird sich die zitierte Evangelische Kirche wohl hüten, diesen verantwortungslosen Satz Niemöllers zu ihrem Standpunkt zu machen!

Offenbar ist aber Niemöller seiner Linie treu geblieben. Er hat ja schon vor einigen Jahren in Amerika erklärt, daß er sich am ersten Tage eines neuen Krieges einen Sarg kaufen würde, da dann alles verloren sei. Besser für die heutige deutsche Situation wäre es freilich gewesen, wenn er damals gesagt hätte, daß er keine Rede mehr halten würde, sobald das deutsche Volk von den Westmächten wieder als Partner anerkannt würde. Aber wenn er es auch gesagt hätte – es würde wohl heute auch nichts helfen: denn er hätte es inzwischen längst dementiert. P. H.