Man kann nicht behaupten, daß dieses rührselige Sujet geeignet wäre, die Fürsprecher einer Erneuerung der Pantomime zu beglücken. Jean Anouilh hat die künstlerische Form eines Balletts für Schauspieler im "Ball der Diebe" geistvoller und überzeugender gemeistert. Maurice Jacquemont, der Direktor des Studios am Théatre des Champs Elysées wußte indessen die matte Idee mit tänzerischer Verve zu versinnlichen und aus der überreifen und nervösen Klanglichkeit der kammermusikalischen Impressionen Jean Françaix spielerisch bewegte Gebärden zu schöpfen, Ihm halfen dabei die Bühnenbilder Hertha Boehmes, die – unaufdringlich surrealistisch – Zug um Zug den Blick in die Tiefe der Bühne und in die Tiefe der menschlichen Seele freigaben. Sonja Korty spielte selbst die "tote Seele" der Kameliendame – mit allzu "romantischer" Geste. Die sie umtänzelnden Schauspieler machten gute Miene zum stummen Spiel. Nur Irene Strebe, Solotänzerin des Hessischen Staatsheaters, schien in einem entfesselten Tanz der Sehnsucht in ihrem Element zu sein. Alles in allem: eine Spätblüte zeitferner Romantik, vermutlich auch eine Eintagsblüte. Komponist, Autorin und Regisseur durften sich einige Male vor dem Vorhang zeigen.

Günther Grothus