In diesem Jahre werden 19 Flotten am Walfang im südlichen Eismeer teilnehmen: zehn stehen unter norwegischer Flagge, vier unter britischer, zwei unter japanischer und je eine unter der Flagge Sowjetsrußlands, der Niederlande und Panamas. Die norwegischen und britischen Flotten sind bereits in der zweiten Septemberhälfte ausgelaufen, um rechtzeitig vor dem 22. Dezember – dem Beginn der diesjährigen Saison – die Fangfelder in der Antarktis zu erreichen und die Fabrikanlagen mit der Verarbeitung von Spermwalen einzufahren.

Nicht nur in den internationalen Walfangkreisen hat es starke Beachtung und eine gewisse Aufregung verursacht, daß in diesem Jahre die Zahl der Walfangflotten um die der "Olympic Whaling Company" vermehrt worden ist. Besonders die Presse der am Walfang interessierten Länder hat das Entstehen dieser Flotte einer heftigen Kritik unterzogen, alldieweil man es ungewöhnlich findet, daß sie unter der Panama-Flagge auslaufen will und eine gewisse deutsche Beteiligung nicht leugnen kann und will. Man hat nicht ganz unrecht. Die "Olympien-Expedition, die augenblicklich in Kiel vorbereitet wird, dürfte in wenigen Wochen von Hamburg aus ihre Reise zum Südlichen Eismeer antreten. Der Leiter der Expedition ist Lars Andersen, in Fachkreisen als "König der Walfänger" bekannt. In der Saison 1937/38 führte er die erfolgreiche Flotte "Walter Rau".

Im "Sandefjords Blad", einer im Zentrum der norwegischen Walfangindustrie erscheinenden Zeitung, wurde kürzlich über die "Olympic"-Expedition berichtet: "Daß deutsche Interessen hinter dem ,sogenannten‘ amerikanischen Projekt stehen, ist bereits früher vermutet worden. Diese Annahme hat sich jetzt bestätigt. Die "Olympic" ist in Panama registriert worden. Damit hat man also die amerikanische Maske fallen lassen."

Leider aber ist die Folgerung, die das Blatt dann zieht, falsch, wenn es behauptet, daß es sich um ein rein deutsches Unternehmen handele. Man glaubt allerdings in Norwegen, daß diese Expedition sich lediglich zur Umgehung der von den Besatzungsmächten auferlegten Beschränkungen im Walfang "amerikanisch getarnt" habe.

Die Olympic Whaling Company ist in der Tat ein amerikanisches Unternehmen; ihr Eigentümer ist Mr. Onasies, der in San Franzisko eine Reederei betreibt. Und die Führung der Panama-Flagge kann bekanntlich mehrere Gründe haben. In diesem Falle ist es wesentlich, daß sie eine amerikanisch-deutsch-norwegische Besatzung und deren enge Zusammenarbeit an Bord ermöglicht. Zur Aufstellung der Expedition erhielten vor etwa dreiviertel

Jahren die Howaldtswerke A.-G. in Kiel von dieser amerikanischen Reederei den Auftrag, einen für den Walfangzweck reichlich kleinen Tanker in ein Fabrikschiff und zwölf britische Korvetten in Fangdampfer umzubauen. Diese Bauarbeiten, die Erstellung einer Fabrik an Bord und die Beschaffung der Ausrüstung bedeuteten für die Werften und für die Zulieferindustrien willkommene Aufträge von beträchtlicher Höhe in einer Zeit, als diese Unternehmen infolge der politisch aufgemachten Wettbewerbsbeschränkungen durch die britische Besatzungsmacht unter einem starken Auftragsmangel litten.

Es liegt nahe, die Bezahlung dieser erheblichen Aufträge mit dem Walöl vornehmen zu lassen, das die Flotte im Frühjahr des nächsten Jahres nach Hamburg bringen wird. Für die Zwischenfinanzierung werden deutsche Mittel verwendet werden. Für den Erfolg des Unternehmens bilden die deutschen Walfangfachleute, die endlich wieder ihrer alten Beschäftigung nachgehen können, eine beachtliche Unterstützung. Wenn die "Erste deutsche Walfanggesellschaft" in Hamburg – ein Tochterunternehmen der Firma Henkel und vor dem Kriege mit "Jan Wellem" am Walfang beteiligt – erklärt, daß sie, obwohl bei ihr alle Fäden dieser Expedition zusammenlaufen, das amerikanische Unternehmen lediglich "berate", so ist das ohne Zweifel zutreffend. Aber man wird den Begriff "beraten" wohl in einem sehr weiten Sinne auffassen müssen.