Seit 1918 werden die Handelsspannen immer wieder in die öffentliche Diskussion gezogen. Den an der Distribution beteiligten Wirtschaftszweigen wird ein unangemessener und im Verhältnis zur Leistung zu hoher Gewinn vorgeworfen. Eine Unzahl berechtigter Einwände, die sich vor allen in Zeiten marktpolitischer Spannungen oder währungspolitischer Umstellungen häufen, haben dazu verführt, aus einer Ablehnung überhöhter Handelsgewinne eine organisierte Methodik klassenkämpferischer Wirtschaftspolitik zu machen. So ist seit 1918 der Handel immer wieder in eine Verteidigungsstellung hineingedrängt worden und hat mit unzähligen Berechnungen und Statistiken, Vergleichs- und Durchschnittszahlen nachzuweisen versucht, daß die Handelsspannen nicht zu hoch sind, weil ja die Kosten ständig steigen.

In den letzten Wochen sind erneut erhebliche Aktionen gegen die Handelsspannen sowohl von Gewerkschaften wie vom Bundeswirtschaftsministerium aus in Szene gesetzt worden. Andere Bundesminister, wie Dr. Niklas und Dr. Dehler, haben sich in die Reihe der öffentlichen Ankläger gestellt. Wenn man vielleicht geneigt sein könnte, die Angriffe von Gewerkschaftsseite als einseitig ("nicht anders zu erwarten") zu bezeichnen, so wird die Lage doch anders, wenn sich Kabinettsmitglieder gegen erhöhte Handelsspannen äußern.

Der Einzelhandelsverband der Nordrheinprovinz und die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels haben nun in öffentlichen Kundgebungen dagegen protestiert und mitgeteilt, daß zwei Fünftel der Kaufleute nicht über ein monatliches Bruttoeinkommen von 250 DM hinauskämen.

Die Arbeitsgemeinschaft der Groß- und Mittelbetriebe des Einzelhandels hat dieser Tage eine am 30. Mai in Auftrag gegebene und am 3. Oktober abgeschlossene Untersuchung über Kosten und Spannen von Groß- und Mittelbetrieben des Einzelhandels durch ein bekanntes Kölner Wirtschaftsprüferkollegium anfertigen lassen. Gemischte Sortimente, Textil, Hausrat und Lebensmittelumsätze im Rahmen einiger Warenhausumsätze, wurden erfaßt, und zwar bei 16 Firmen, die zusammen 334 Mill. DM Umsatz im Jahre 1949 repräsentierten. Der geringste Jahresumsatz einer der berichtenden Firmen lag dabei etwa bei 250 000 DM, der größte vermutlich bei mindestens 100 Mill. DM.

Die Untersuchung kommt für die vier Gruppen Warenhäuser, Textil-Großbetriebe, verschiedene Mittelbetriebe und Hausratbetriebe zu der Feststellung, daß die Betriebs spannen in Prozent vom Umsatz sich wie folgt entwickelt haben:

1936 33,08 1947 27,97

1946 28,10 1948/II 24,69