Was man beim Rücktritt des Marshall-Plan-Administrators Hoff man nur vermuten konnte – eine Schwerpunktverlagerung der europäischen Wirtschaftspolitik vom friedlichen Wiederaufbau zur Stärkung der militärischen Verteidigungsbereitschaft – scheint jetzt tatsächlich erwogen zu werden: Der Ministerrat der OEEC in Paris versucht in der durch "Korea" veränderten Welt neu seine Ziele zu fixieren und die Mittel den verschobenen politischen Daten anzupassen, Sicher will man auch jetzt noch am Primat des wirtschaftlichen Wiederaufbaus vor der Rüstung und am Vorrang Europas vor Ostasien festhalten. Aber bei der Pariser Tagung setzte sich, gegen den Widerstand der Neutralen, der französische Standpunkt durch, auch in Fragen der Rüstungspolitik in der OEEC zusammenzuarbeiten.

Mit zwei Hauptproblemen hatte sich der Ministerrat der OEEC zu befassen: mit der gemeinsamen Bekämpfung der Inflationsgefahr und mit der Sicherung der Rohstoffversorgung, beides Symptome des Anlaufens der nationalen Rüsungsprogramme. Um eine gemeinsame Politik des stabiles Geldes zu erzwingen, fehlen der OEEC und auch der Marshall-Plan-Verwaltung die Eingriftsmöglichkeiten. Der einzige Hebel sind die Gegenwertfonds. Hebel, deren Bedeutung durch die Möglichkeit autonomer Geld- und Kreditpolitik weitgehend herabgemindert ist. So hat man auch in Paris nur empfehlen können: keine Defrzitwirtschaft, Engpaßinvestitionen im Rolstoffscktor, Einschränkung des privaten Verbrauchs Hinter allen Empfehlungen der OEEC und der ECA, die nun schon seit Monaten ihre Vertreter in alle Sitzungen der OEEC entsendet, steht aber die Verfügungsgewalt über wertvolle Marshalldollar. Das hebt die Empfehlungen über das Niveau lediglich guter Ratschläge hinaus.

Bedeutsamer sind die Beschlüsse zur Sicherung der Rohstoffversorgung. Interessant ist hier, wie sich über alle wirtschaftspolitischen Konzeptionen hinweg der Versorgungsstandpunkt durchsetzt. Länder, die den Liberalismus um jeden Preis auf ihre Fahnen geschrieben haben, verlangen Exportquoten und Festpreise. Selbst die USA, obwohl einer der wichtigsten Rohstofflieferanten und Freihändler aus Prinzip, befürworten eine Rohstoffbewirtschaftung in Europa, nicht zuletzt mit dem Hintergedanken, dadurch endgültig dem Ostexport in Rüstungsrohstoffen einen Riegel vorschieben zu können.

  • Doch sind die Beschlüsse der OEEC zur Rohstoffe wirtschaftung zweifellos erst – vorbereitender Natur: Aufstellung von Listen der Rohstoffe, die 1. hauptsächlich in den OEEC-Ländern gewonnen und verbraucht werden und durch inteme OEEC-Maßnahmen reguliert werden können, 2. schon durch internationale Institutionen reguliert werden und 3. bisher an reguliert sind und nicht innerhalb der OEEC reguliert werden können, bei denen aber eine Regulierung wünschenswert wäre. Weiter: Gewinnung eines Überblicks über den Rohstoffbedarf der OEEC-Länder, Vorschläge für Investitionen im Rohstoffgebiet und schließlich: Ausarbeitung vor Vorschlägen für ein Rohstoffverteilungssystem und für ein gemeinsames Vorratsprogramm. Dei Bericht über die Untersuchungsergebnisse soll dem Ministerrat der OEEC in sechs Wochen vorgelegt werden.

Von diesen Untersuchungen bis zu den ersten Maßnahmen ist ein weiter Weg, und es bleibt abzuwarten, wie die OEEC mit dieser Aufgabe fertig wird. Der OEEC gehören ja im allgemeinen wenn man von Schweden als wichtigem Rohstofflieferanten absieht, hauptsächlich Industrieländer an. Und die Rohstoffe, die sich im Kreise der OEEC-Länder rationieren lassen, sind an den Fingern abzuzählen. Die gleiche Struktur der OEEG-Länder als Rohstoffimportländer verbürgt allerdings eines: eine gemeinsame einheitliche Verhundlungsbasis gegenüber den Rohstoffländern W. H.