Es gibt im Hannoverschen ein kleines Städtchen Eystrup. Seit einiger Zeit haben seine 2500 Seelen und seine Senffabrik auch eine D-Zug-Station. Und drei Tage nach dieser Entscheidung hielt der für den Beschluß verantwortlich scheinende Politiker im Orte eine Wahlversammlung ab: Dr.-Ing. Hans-Christoph Seebohm, Bundesminister für Verkehr. Diese Episode kennzeichnet den hilfsbereiten Menschen. Man kann den Taten und Reden des 47jährigen Ministers auch andere Seiten abgewinnen.

Zu den Obliegenheiten des Verkehrsministers gehören die yielen Fragen von Schiene, Straße und Schiffahrt. Besonders die Schiene hat es ihm angetan – wenn man von seiner Vorliebe für eine imaginäre deutsche Luftfahrt absieht –, hat es ihm so, angetan, daß ihn jede Kritik von dieser Seite offensichtlich schmerzt. Als sich ein höherer Bundesbahnbeamter in Essen mit dem Kurs des Verkehrsministers nicht ganz einverstanden erklärte, drohte Dr. Seebohm mit einem Dienststrafverfahren. Doch da diese Methode für 200 000 Bundesbahnbeamte zu kompliziert würde, hängt er ihnen allen kurzerhand, einen generellen Maulkorb um. Er verbot nicht die Kritik; sie soll nur vorher mit ihm "abgestimmt" sein.

Bundeskanzler Dr. Adenauer gestand vor wenigen Wochen, daß er stets mit leichtem Bangen den Montagszeitungen .entgegensähe, die ihm die "Sonntagsreden" seiner Minister ins Haus brachten. Eben diese Sonntagsreden aber sind es, die Dr. Seebohm zu seiner Popularität, verhelfen haben.

Im November vorigen Jahres erklärte er auf einer Kundgebung der Deutschen. Partei, in Peine, so jedenfalls verstand es das Kabinett von Niedersachsen, daß die niedersächsische Landesregierung kein Interesse mehr an einem Erfolg der Verwaltung in Watenstedt-Salzgitter habe, nachdem die dortige marxistische Mehrheit verlorengegangen sei.

Im Dezember des gleichen Jahres gab er auf einer anderen Versammlung seiner Partei bekannt, daß er aus Ersparnisgründen in Bonn immer noch in einem Wohnwagen hause, während Dr. Schumacher in einer luxuriösen Villa residiere. Dies, obwohl er genau weiß, daß der SPD-Vorsitzende in einem Hause wohnt, das früher einem Körperbehinderten gehörte, und ihm besondere Erleichterungen gewährt.

Im gleichen Monat gab die "Westfälische Rundschau" eine Äußerung Dr. Seebohms wieder, wonach er die Verschwörer des 20. Juli als "Verbrecher" bezeichnet haben soll.

Am vorletzten Wochenende nun schien dem Verkehrsminister in seiner Eigenschaft als Parteipolitiker wieder einmal die Zeit für eine "Sonntagsrede" gekommen. Er äußerte, daß er nicht bereit sei, sich für jene amerikanische Hilfe zu bedanken, die aus amerikanischem Eigennutz gegeben sei.