Der Kardinal Mazarin war in den Tagen seines Sterbens im Hause herumgegangen, hatte seine Wandteppiche betastet, seine goldenen Geräte berührt, mit der schwach werdenden Hand über seine Möbel gestrichen, die Bilder in den schweren Rahmen mit der Kerze angeleuchtet und dazu geflüstert: "Dies alles muß ich verlassen!" Seine Diener hatten ihn gehört, wie er durch die Gänge tappte, Schiebladen öffnete, Deckel von Kassetten hob und wieder zufallen ließ, sich an Schlössern zu schaffen machte und schließlich vor seinem großen Kruzifix stehenblieb, dessen herrliche Schnitzerei noch nicht nachgedunkelt war. "Dies alles muß ich verlassen", und seine Stimme habe weinerlich geklungen. Aber vielleicht waren die Diener des sterbenden Kardinals nur unvollkommene Zeugen gewesen, und es ist ja möglich, daß der Scheidende bei seinem letzten Gang durchs Haus auch seine Hände besehen, seine Augen und seine Lippen befühlt hatte. Klug und erfahren war der alte Mann ja, und so kann es sein, daß sein leises Klagen nicht so sehr den Dingen gegolten hatte als den Organen, mit denen er sie genossen. Aber wir wissen es nicht, und nur sein schwacher Wehruf ist uns überliefert.

Aus: "Die schönsten Jahre. Ein Leben mit Paris" (Rainer Wunderlich Verlag, Tübingen und Stuttgart).