Das Preisgesetz ist bis längstens zum Jahresende in Kraft. Der wirtschaftspolitische Ausschuß des Bundestages hat nun den Entwurf eines neuen Preisgesetzes ausgearbeitet, das u. a. bebaute Grundstücke von den Preisbindungen befreit, nicht dagegen unbebauten Grund und Boden und Trümmergrundstücke, Da dieser Entwurf in diesen Tagen in zweiter und dritter Lesung vor den Bundestag kommt, sollte man sich überlegen, ob dieses Festhalten am Preisstopp für unbebaute Grundstücke und Ruinenplätze zweckmäßig und notwendig ist.

Wie sieht es zur Zeit auf den Grundstücksmärkten aus? Von Märkten und nicht von einem – einheitlichen – Markt muß deshalb gesprochen werden, weil die Marktsituation völlig verschieden ist, je nachdem, ob es sich um städtische Ruinengrundstücke, bereits aufgeschlossenes (baureifes) städtisches Baufand, noch nicht baureife Stadtrandbezirke, unbebaute ländliche Grundstücke oder um ländliche Ruinengrundstücke handelt.

Im Bundesgebiet kommt Zerstörter ländlicher Grundbesitz in nennenswertem Umfang nur in Nordrhein-Westfalen vor. In der Regel sind die ländlichen Ruinengrundstücke bereits wieder von den Eigentümern aufgebaut oder werden in kurzer Zeit aufgebaut werden. Sie sind überhaupt keine Objekte, die auf den Markt gelangen.

Kleinere unbebaute ländliche Parzellen stehen zum Verkauf, soweit angemessene Preise gezahlt werden. Wahrscheinlich wird die Durchführung des Komplexes Bodenreform–Lastenausgleich (und dazu vielleicht die erwartete Rentabilitätsverschlechterung in der Landwirtschaft) das Angebot an Boden in ländlichen Bezirken bald vergrößern. Drückt man jedoch den Bodenpreis zwangsweise und künstlich herab, dann wird man gerade auf dem Lande die Verkaufsunlust fördern, nicht aber beseitigen.

Das Angebot von städtischen Ruinengrundstücken ist gewaltig. In Hannover zum Beispiel stehen 2500 bis 3000 Trümmergrundstücke zum Verkauf – 10 bis 30 v. H. unter den Stoppreisen. In Kiel liegen die Angebotspreise für Ruinen 10 bis 70 v. H. unter den amtlichen Höchstpreisen von 1936. Ein Hamburger Sachverständiger äußerte kürzlich, nach der Freigabe würden die städtischen Grundstückspreise in der Hansestadt nicht nur sinken, sondern stürzen, mitgerissen von dem Überangebot an Trümmergrundstücken. Schön heute werden die "Rahmenpreise" in Hamburg nach Ansieht maßgeblicher Fachleute nur noch dadurch gehalten, daß die Käufer der Grundstücke (Unternehmen des "Sozialen Wohnungsbaus") staatlich subventioniert werden, und die Stoppreise – wie fast immer im Wirtschaftsleben – als Mindestpreise und nicht als Höchstpreise angesehen werden.

Für Bauplätze in den Stadtrandgebieten werden im allgemeinen die amtlich zugelassenen Höchstpreise erreicht, Ob darüber hinaus für günstig gelegene gute Objekte Schwarzpreise gezahlt werden, kann nur vermutet werden, Sicher aber ist, daß mit der Aufhebung des Preisstopps das Ruinenangebot, dem nun dieser "amtliche" Rückhalt fehlt, die Preissteigerungstendenz für baureifes Gelände je nach örtlichen Umständen ganz oder teilweise kompensieren wird.

Kommt es aber in den städtischen Randgebieten zu Erhöhungen des Bodenpreises, so kann darin keineswegs eine lediglich unerwünschte oder untragbare Entwicklung gesehen werden. Ist doch seiner Zeit auf dem Kongreß für Städtebau und Raumplanung ausdrücklich hervorgehoben worden, daß der Wiederaufbau in den zerstörten Stadtgebieten noch auf lange Zeit hinaus bevorzugt werden müsse. Es sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu vertreten, die gewaltigen Werte, die in den Versorgungs- und Verkehrsanlagen der Städte stecken, einfach verkommen und unausgenutzt liegen zu lassen, dafür aber mit großen Kosten Gebiet an der Stadtgrenze neu zu erschließen. Dieser Fehlentwicklung kann durch leicht anziehende Bodenpreise in der Randgebieten Einhalt geboten werden.