Am Sonntag nach der großen Volkswahl in der Ostzone kam Pieck auf einem Ausflug in ein Industriestädtchen. Kaum parkt sein Wagen vor dem Wirtshaus, da ist auch schon der Bürgermeister da, um seine Ergebenheit auszudrücken.

"Wie ist denn hier bei Ihnen gewählt worden", fragt Pieck. – "99,8 Prozent", erwidert der Bürgermeister stolz.

"Das ist ja ausgezeichnet, ich gratuliere", sagt Pieck erfreut. "Aber jetzt sagen Sie mir vertraulich... hier werden ja nicht nur Kommunisten sein... also, was denkt denn so die Bevölkerung?"

Der Bürgermeister beginnt zu stottern, er will nicht recht mit der Sprache heraus.

"Sie können ganz offen mit mir sprechen", hilft Pieck nach.

"Ja, dann sage ich es auch, Herr Präsident. Also, die meisten sind für die Sozialdemokraten und für die anderen Parteien der Westzone, und Nazis haben wir auch noch..."

"Was", fragt Pieck empört, "ja, wer ist denn dann in der ‚Nationalen Front‘, zum Donnerwetter?!"-

"Ah, in der ‚Nationalen Front‘", erwidert der Bürgermeister erleichtert, "in der ‚Nationalen Front‘, da sind wir alle ..."