Von 12.00 Uhr bis 12.02 Uhr wird an diesem Donnerstag im ganzen Bundesgebiet der Verkehr stillstehen. Deutschland soll an jenem "Tag der Kriegsgefangenen" seiner Söhne gedenken, die das taten, was seit Anbeginn der Geschichte Millionen von Menschen von Zeit zu Zeit tun mußten, ohne dafür fünf Jahre lang wie Tiere hinter Gittern gefangengehalten zu werden. Noch in der gleichen letzten Woche des Oktober wird auch die Vollversammlung der UNO in Lake Success das "Schicksal der 1,5 Millionen verschwundener deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion" diskutieren. Und es mag uns ein wenig beschämen, daß die fremden Vereinten Nationen als erstes deutsches Problem die Kriegsgefangenen in ihre Tagesordnung aufnahmen und es damit zum wichtigsten deutschen Problem erhoben, während sich bei uns trotz dieser und jener Protestkundgebung der Schleier des Vergessens mehr und mehr über die unglücklichen Gefangenen zu senken droht. Der Antrag in der UNO wurde von Amerika, England und Australien gestellt. Er wird vorgetragen werden von einer Negerin. Die Bundesregierung hat der UNO ein Memorandum zugleitet, das als Unterlage dienen soll, und hat zwei deutsche Bundestagsabgeordnete, Dr. Gerstenmaier und Herbert Wehner, als Sachverständige nach Lake Success entsandt. Man hofft, daß es gelingen wird, eine internationale Untersuchungskommission einzusetzen. Das wäre ein erster Schritt. Wir wollen alle hoffen, daß ihm weitere folgen werden, -i