DIE ZEIT

Die Mindestreserven stehen auf Höchstsatz. Das Akzept-Kreditvolumen vom 12. Oktober dieses Jahres darf nicht überschritten werden. Bei Einfuhranträgen muß ein Bardepot in Höhe von 50 v. H. des zu erwartenden Vertragswertes gestellt werden. – Damit steht der liberalisierte wie der kontingentierte Import auf einer neuen Ebene, die, dekretiert von der Bank deutscher Länder, als Plattform für einen normalen Einfuhrfluß kaum angesprochen werden kann.

Was zu dieser Maßnahme geführt hat, ist unseren Lesern bekannt (siehe "Die Zeit" vom 19. Oktober: "Wie es kam"). Ob diese robusten Eingriffe aber den Erfolg haben werden, Spekulanten auszuschalten, die Devisensituation ins Reine zu bringen, und dabei den Fachimporteur so im Geschäft zu lassen, daß der Einfuhrwarenstrom nicht gehemmt, also auch das ausländische Vertrauen – trotz allem – nicht eingebüßt wird? Wir glauben, die BdL hat, was den Zeitpunkt und die Form ihrer Maßnahmen betrifft, nicht glücklich gehandelt; sie griff zu spät und dann zu plötzlich und zu unharmonisch ein. In der Woche vom 8. bis 15. Oktober war die Panik "da" Die bis dorthin nicht ausgenutzten Importanträge (allein für den Bereich der Europäischen Zahlungsunion etwa 850 Millionen $) wurden nochschnell realisiert. Was das Devisen kostete!

Die kleinen Auch-Importeure werden in Zukunft ausgeschaltet sein, Ihre großen Brüder jedoch haben genügend flüssiges Geld, weiterhin – und wenn auch auf Umwegen– "einzusteigen"; denn die künftige Form der Devisenbewilligung läßt noch Möglichkeiten, unddie seriösen Importeure sind seit 1918 zu arm, um ohne Bankhilfe arbeiten zu können. Einige mögen in den letzten Jahren an Bananen oder Textilien reich geworden sein. Doch Ausnahmen bestätigen nur die Regel.

Und das Auslandsvertrauen? Wird man noch "Kasse gegenDokumente" anerkennen, oder wird man jetzt auf Akkreditivgestellung pochen? Wir haben doch wieder den Verkäufermarkt, der Unsicherheiten im Geschäft mit der Bundesrepublik eben auf seine Art zu lösen versteht.

Festzustellen bleibt noch, daß die BdL als Devisenverwalter gehandelt hat, ohne auch nur einen Importeur zu fragen. – Soweit die Geldseite. Von der technischen Seite gesehen, verbleibt noch die Dauer der Gültigkeit der Lizenzerteilung zu ändern und auf die Ursprungszeugnisse bei der liberalisierten Einfuhr besser zu achten. Und rein wirtschaftspolitisch muß man sich (mit Prof. Erhard auf dem CDU-Parteitag in Goslar) fragen, wie man den Engpassen künftig bevorzugt die knappen, teuren Importe zuleiten kann. In reiner Selbstverantwortung den Verbänden der Wirtschaft die "freiwillige Kontingentierung und Preisdisziplin" zu überlassen, wäre ideal. Aber wann je haben sich Ideale durchgesetzt bei so "interessanten" Preisen, wie sie jetzt gegeben sind?Weinstein