E.G., London, Ende Oktober Die Bestürzung war in London zuerst groß, als die erste Quartals-Abrechnung der Europäischen Zahlungsunion einen deutschen Fehlbetrag von 175 Mill $ ergeben hat. Inzwischen jedoch urteilt man ruhiger! Soweit sich das deutsche Defizit aus Rohstoffkäufen für die Weiterverarbeitung in der „Korea-Konjunktur“ ergibt, sieht man darin keine Bedenken. Aus späteren höheren Exporten ergebe sich ja der Ausgleich. Soweit es sich um Bemühungen handelt, die deutschen Rohstoffreserven zu erhöhen, zeigt man gleichfalls Verständnis Anders dagegen werden die Einkäufe an gewissen „Luxusartikeln um jeden Preis“ beurteilt. Selbst Gegner der heimischen britischen austerity halten diese Käufe für übertrieben. Und was die reichlichen deutschen Käufe aus europäischen Ländern angeht, die man auf jeden Fall wieder als Kunden für deutsche Exporte gewinnen will, so sagt man in der City – mit einem kleinen Hieb gegen den leicht panik-ergriffenen Herrn Stikker –, daß sich schließlich jedes Land mit der wirtschaftlichen Wahrheit abfinden müsse, wonach die Ausfuhr eben nur in Importen zu bezahlen ist.

Eine weitere Auswirkung des deutschen Defizits läßt sich in der City beobachten. Sie betrifft den erhofften Markt für die DM in London. Grundsätzlich ist eine Einigung erreicht worden, daß im offiziellen Zahlungs- und Abrechnungsverkehr weiterhin allein Sterling fungiert; daß dadagegen auf englischer Seite keine Bedenken gegen einen privaten Markt in D-Mark bestehen, – Was bedeutet das? Alle von der Bank von England als Devisenbanken anerkannten Institute können, wenn sie wollen, den Handel in D-Mark in Buchgeld wie in Noten eröffnen. Das jedoch soll nun kein offiziell geduldeter „freier“ Markt sein. Vielmehr soll die BdL sich darum kümmern, daß der Kurs „ihres“ Geldes an diesem privaten Markt sich eng an den, offiziellen Kurs hält

Gelingt dieser Brückenschlag zwischen schwarzem und weißem Kurs, so wird wohl die Bank von England diesen privaten Markt nicht nur dulden, sondern „offiziös“ anerkennen. Zunächst also wird die Bank von England so tun, als ob sie nichts sieht, und später – „bei Bewährung“ – wird sie zugeben, daß sie sieht.

Und was sagt die City dazu? Grundsätzlich ist man an jeder Belebung des freien Devisengeschäfts in England interessiert. Und seriöse Banken haben sich zu dem für sie risiko-freien Experiment in kleinem Rahmen bereiterklärt. Ob sich daraus allerdings ein großes, reibungsloses Geschäft entwickeln wird, hängt – ihrer Ansicht nach – ab von der Entwicklung der deutschen Devisenbilanz und der Stellung der privaten deutschen Außenhandelsbanken im Devisenverkehr. Und ob sich aus dem risikolosen Handel in D-Mark eines Tages die Übernahme von Kreditrisiken – im Deutschland-Geschäft ergeben wird – vorläufig denkt die City nicht daran –, das hängt auch von der Behandlung der alten deutschen Schulden ab.