Die Angst ist ein Produkt der Phantasie und keine Wirklichkeit. Und vor der Wirklichkeit brauchst du dich nicht zu fürchten. Geh ran und sieh ihr in die Augen so scharf wie möglich und lauf nicht weg. Dann leckt sie dir die Hand und wird dein bester Freund Diese Sätze sind der Tenor des Romans "Casaducale" von Hans Jürgen Soehring (S. Fischer Verlag, Frankfurt, 177 Seiten, 8 50 DM), dessen erstes Buch, ein Sammelband bedrängender und einprägsamer Erzählungen vor zwei Jahren durch einen eigenen, spitzfindigen und geladenen Ton auffiel. "Casaducale", ein altes, prunkvolles Schloß in Toscana, ist die Station der Vergangenheit, die in das Kriegs- und Nachkriegseriebnis des deutschen Fliegeroffiziers Oliver Thomas hinüberspielt und die in ihm das tiefe Erstaunen über die Wandelbarkeit seiner Meinung und das Veränderliche im Leben jedes einzelnen weckt. In dichten Einzelbildern, die ein leuchtendes Mosaik ergeben, und mit herber Selbstironie zeichnet Soehring die Empfindungswelt seiner Generation mitleidlos, kühl, ohne Pathos und mit sicherem Instinkt für den Wert der Dinge auf. Ein sanfter Pessimismus klingt als Grundakkord immer