Früher waren es Könige und Mäzene, die Kunst und Wissenschaft nicht nur Brot, sondern auch Impulse gaben! Heute sind es manchmal noch die Könige des Geldes ... Demnächst wird, vierzehn Jahre nach dem Gründungsakt, die Ford-Stiftung mit einem Kapital von etwa 230 Millionen Dollar ihre Arbeit aufnehmen. Sieben Treuhänder, Henry Ford II. an der Spitze, hatten einen Studienausschuß um eine „Bestandaufnahme der bestehenden Kenntnisse“ gebeten, um eine Ermittlung „der Gebiete, auf denen die wichtigsten Probleme liegen und auf denen zusätzliche Anstrengungen am dringendsten gebraucht werden“. Der Studienausschuß befragte mehr als tausend Menschen direkt, fertigte zweiundzwanzig Spezialberichte an und verdichtete sie dann zu einem einstimmigen Gesamtbericht.

Das Impuls-Programm der Ford-Treuhänder steht unter dem ungeschriebenen Motto „Würde des Menschen“. Nicht nur, weil man der Monotonie der Arbeit zu Leibe rücken will, die am Fließband der Fordwerke einst ihren ersten Höhepunkt fand, sondern auch, weil man Methoden ermitteln will, nach denen der gesamte Wirtschaftsapparat dem Menschen dienstbar gemacht werden kann.

Unter den fünf Gebieten, auf denen man der Herausforderung der technisierten Welt mit den Mitteln der Ford-Stiftung begegnen will, steht der Weltfriede an der Spitze. Es folgen die Probleme der universellen Ausbreitung von Freiheit und Demokratie, der Erreichung wirtschaftlicher Stabilität, also des Gleichgewichts zwischen Freiheit und Kontrolle in der Wirtschaft, eines befriedigend hohen Standes der Produktion und konstruktiver Beschäftigung (jedoch nicht der Vollbeschäftigung um jeden Preis!) und des industriellen Friedens (unter Überwindung der stumpf gewordenen Streikwaffe). Die Erziehung soll, viertens, nicht nur wirklich jedem Menschen, unabhängig von Einkommen, Religion oder Rasse, in gleicher Weise offenstehen, sondern auch in ihrem Aufbau „den Nöten des menschlichen Geistes entgegenkommen“, an der Formung der individuellen Charaktere und Werte mitwirken und eine befriedigende Beziehung zwischen allgemeinem und fachlichem Wissen herstellen.

Besondere Ausführlichkeit ist dem lernen Felipe, dem „Studium des Menschen“, gewidmet. Die Treuhänder bekennen sich als sehr beunruhigt über „den hohen Grad des Versagens unserer Gesellschaft bei der Aufgabe, die volle Entwicklung der Anlagen des einzelnen zu erreichen“. Das emotional maladjustment, das gemütsmißige Mißverhältnis zwischen dem einzelnen und der Gesellschaft, wird als die soziale Krankheit der Zeit empfunden, die in den Verbrechen ebenso wie in den Krankheiten, den labilen Familienverhältnissen ebenso wie in den unberechenbaren, unproduktiven Arbeitsgewohnheiten und vor allem in dem Unvermögen zum Ausdruck kommt, die eigene freie Zeit sinnvoll zu nutzen. Die Forscher sollen daher das Studium des Menschen, seiner Gewohnheiten und seiner Nöte bis weit hinter die Kulissen der Psychologie, der Psychiatrie, der Intelligenzprüfungen und der sozialen Beratung vortreiben. Sie sollen „zuverlässige Maßstäbe für die Wirksamkeit“ dieser Hilfsmittel suchen. Ebenso will man die Wirkungen der Masseneinflüsse auf den Menschen „von früher Jugend bis zum Ende seines Lebens“ durch Presse, Rundfunk, Fernsehen und Film unter die Lupe nehmen.

Ausdrücklich heißt es am Schluß, daß „die fortgesetzte Erforschung so lebenswichtiger Gebiete wie der Naturwissenschaften, der Medizin und der Volksgesundheit anderen überlassen wird“. Die Ford-Stiftung habe ihre besondere Aufgabe darin, die Arbeit in der modernen Weit mit den elementaren Forderungen geistigen Daseins in Einklang zu bringen. E. G.