Auf der Genfer Welt-Zinnkonferenz hat der Delegierte der USA, als Sprecher der Verbrauchernationen, gegen die Pläne auf Einrichtung von Exportkontrollen und Schaffung eines „Internationalen Zinnrates“ eingewandt, es müsse zunächst geprüft werden, ob dadurch die Produktion erhöht und ein weiteres Anziehen der Preise verhindert werde. Die britische Delegation, unterstützt durch die Mehrheit der vertretenen 18 Nationen, vertritt die Ansicht, daß der seit vier Monaten anhaltende Boom nicht von Dauer sein werde.

Die Entwicklung der Zinnpreise seit Ausbruch des Koreakrieges ist einigermaßen beängstigend. Im ersten Weltkrieg wurde (1918) die höchste Notierung von 399 £ je long-ton in London erreicht. Der zweite Weltkrieg brachte keine Preishausse, obwohl die wichtigsten Versorgungsgebiete in Ostasien vorübergehend in japanischer Hand waren und die westliche Welt auf die Versorgung aus Bolivien, Afrika (speziell Nigeria) und einigen kleineren Produktionsländern angewiesen war. Erst nach dem Krieg (1948) wurde ein neuer Höchststand der Notierungen mit 569 £ verzeichnet, und seitdem ist der Preis auf fast; 900 £ gestiegen.

Wo sind nun die Gründe für das Zinnfieber zu suchen, von dem offensichtlich die Welt befallen ist? Seit dem Ausbruch des Koreakrieges haben Panikkäufe der Verbraucher eingesetzt. weil man mit einem Übergreifen der kommunistischen

Unruhen auf andere ostasiatische Gebiete rechnet. Freilich läßt man dabei völlig außer acht, daß die Zinnstudiengruppe selbst für 1950 mit einer Überproduktion von rund 45 000. long-tonsrechnet und für 1951 sogar eine den Verbrauch um 55 000 long-tons übersteigende Erzeugung erwartet. Die Hoffnungen der Erzeuger richten sich nun auf die am 25. Oktober begonnene internationale Konferenz in Genf, von der man sich eine Erleichterung der verfahrenen Situation erhofft, Die Verbraucher dagegen fürchten, daß die Erzeuger dort eine Einschränkung der Produktion durchsetzen könnten. Die Weltvorräte an Zins betrugen nämlich Ende Mai immer noch 126 900 long-tons und überstiegen damit den zu erwartenden Verbrauch im laufenden Jahr. Die Erzeugung wird dabei voraussichtlich 1950 etwas höher liegen als im Vorjahr. Und die Förderung (Bolivien, Afrika) ist noch steigerungsfähig. Damit spricht einiges für die Erwartung, daß er in absehbarer Zeit zu einem Zusammenbruch des Preisgebäudes kommen wird. H. B.