Es kann nicht der Sinn der Kunst sein, die Welt, in der wir leben, zu ignorieren – und das bringt mit sich, daß sie wenig heiter ist. Die geistige Überwindung und Beherrschung der Epoche wird sich nicht darin spiegeln, daß perfekte Maschinen den Fortschritt krönen, sondern darin, daß sie im Kunstwerk Form gewinnt. Hierin wird sie erlöst. Nun kann zwar die Maschine niemals Kunstwerk werden, wohl, aber kann der metaphysische Antrieb, der die gesamte Maschinenwelt befeuert, im Kunstwerk höchsten Sinn erhalten und damit Ruhe in sie einführen. Das ist ein wichtiger Unterschied. Die Ruhe wohnt in der Gestalt, auch in der Gestalt des Arbeiters. Wenn man die Bahn betrachtet, wie sie die Malerei in diesem Jahrhundert durchmessen hat, wird man die Opfer ahnen, die hier gebracht werden. Man wird vielleicht auch ahnen, daß sie zum Triumphe führt, wozu der reine Dienst am Schönen nicht genügt. Noch ist ja strittig, was man als schön erkennen wird.

Aus: „Über die Linie“. Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt a. M.