In Hamburg gibt man sich mit lem „Spurtag“, der seit 26 Jahren auf den 31. Oktober festgesetzt ist, nicht zufrieden: dir Arbeitsausschuß der öffentlichen Sparkassen hat die Woche vom 30. Oktober bis 4. November unter dem Motto „Planen, Einteilen, Hanshalten, Sparen“ zur „Woche der Sparsamkeit“ erklärt, mit durchgehenden Kassenstunden der Institute und mit einer verstärkten Werbung für das Schulsparen. Mit Stolz verweisen die beiden Hamburger Sparkassen darauf, daß ihr Einzahlungsüberschuß allein im Spargeschäft im letzten Jahr um 30 Mill. DM gestiegen ist und daß damit, bei fast 160 Mill. Gesamteinlagen, der Spareinlagenbestand die 100-Millionen-Grenze überschritten habe.

Die Zahlen. über den Zuwachs an DM-Sparguthaben, mit rund einer Milliarde seit Anfang 1949 (nur Sparkassen – ohne Banken) sind recht eindrucksvoll. Selbst wenn man hiervon die Wiederauffüllung der im 2 Halbjahr 1948 durch einen „Entsparungsprozeß“ stark zusammengeschmolzenen Konten abrechnet, womit man zu einem Netto-Zuwachs von über 440 Mill. DM kommt, ist das Ergebnis nicht unbefriedigend: jetziger Bestand 2,64 Mrd. DM, was also dem Stand von Mitte 1927 etwa entspricht. Besorgniserregend ist freilich, daß in den Sommermonaten, die an sich „saisonungünstig“ für den Sparprozeß sind, der monatliche Zuwachs zeitweise recht klein war: es ist eben sehr viel Geld zu Angst- und Vorratskäufen verwandt worden, für Lebensmittel zunächst, für Textilien und Schuhe und (bemerkenswerterweise!) für Möbel im weiteren Verlauf der Korea-Krise und der durch sie (und das Aufrüstungsgespräch) entstandenen „Kaufwelle“. Dabei ist ein magerer Trost, daß noch stärker als die echten Spargelder, zur Finanzierung dieser zusätzlichen Einkäufe, die „Strumpfgelder“ herangezogen worden sind: Hortungsbeträge, die (besonders in den ländlichen Haushalten, aber auch in der Kleinstadt, sogar bei den „aufgeklärten Großstädtern“) zu Hauseverwahrt werden, anstatt ordnungsgemäß zur Sparkasse, zur Genossenschaftskasse oder zur Bank gebracht zu werden. Wieviel besser diszipliniert sind in dieser Beziehung die Engländer – dort ist es einfach eine Selbstverständlichkeit, daß man keinerlei Geldreserven zu Hause hält.

Freilich hat man „drüben“, und das ist. bei einem solchen Vergleich sehr wohl zu bedenken, nicht die bitteren Erfahrungen mit zwei Inflationen zu machen brauchen; was an Abwertungen des Pfundes geschehen ist, war in seinen Folgen vergleichsweise erträglich, gegenüber dem, was bei uns erfolgte, mit dem Ergebnis, daß der Begriff „mündelsicher“ mehr als problematisch geworden und eigentlich ad absurdum geführt worden ist. Andererseits fördert man die Sparneigung, die ja immer noch lebendig geblieben ist (und die einen erneuten Aufstieg nehmen wird, sobald erkennbar wird, daß nicht alle Preise steigen, sondern sich allmählich der „Käufermarkt“ auf den verschiedensten Marktgebieten wieder durchsetzt), gewiß nicht, wenn man die Entwicklung, die zur Währungsgesetzgebung von 1948 geführt hat, einseitig falsch darstellt. Da ist es insbesondere das Wort von den „Währungsgeschädigten“, das die Dinge in eine Völlig schiefe Perspektive rückt Mit der Gesundung der Währung ist ja niemand „geschädigt“ worden: es wurden lediglich die schon vorher, in der Hitler-Zeit, infolge eitler unerhört leichtsinnigen Finanzierung der Rüstung und des Krieges eingetretenen Verluste endlich offengelegt. Das muß nicht nur immer wieder gesagt, es muß auch endlich erkannt und verstanden werden. Dann wird es auch leichter sein, die Forderungen durchzusetzen, die an sich berechtigt sind, und die sich (um mit den Worten des Bundesfinanzministers Schäffer zu reden) zu dem Wunsch verdichten, „alle die Härten, die durch die Währungsreform für die Altsparer entstanden sind, sobald wie möglich auszugleichen

Dabei handelt es sich, nach den Forderungen und Vorschlägen der „Interessengemeinschaft der Währungsgeschädigten Sparer“ (Hamburger Anschrift: Alsterchaussee 3) – die auch in einer kleinen Broschüre mit dem Titel „Sparer! Es geht um die Aufwertung!“ – vorliegen, im wesentlichen um vier Punkte. Nämlich: um eine Neuregelung bei des Anrechnung der 60-DM-Kopfouote, um die Verkürzung der Auszahlungsfristen für das sogenannte Anlagen-Konto, um die Rückgängigmachung der Streichung von sieben Zehntel aus den Festkonten (gleich 3 1/2 v. H. der zur Umstellung gekommenen RM-Reträge) und schließlich (was vielleicht der am stärksten problematische Punkt ist) um die Entscheidung zwischen den „guten“ alten Spargeldern, die bevorzugt zu behandeln wären gegenüber den mehr oder weniger inflationierten, z. T. aus Schwarzmarktgeldern stammenden Einzahlungen aus der Zeit nach Mai 1945, Unbestritten ist dabei, daß jeder Sparer nicht schlechter gestellt werden sollte als der Besitzer von Pfandbriefen und sonstigen Geld- oder Kapitaltiteln. Weiter wird eine Zinserhöhung für die Ausgleichsforderungen notwendig sein, damit für Spareinlagen ein marktgerechter Zinssatz (oder doch wenigstens eine diesem angenäherte Verzinsung) gegeben werden kann und derart ein verstärkter Anreiz zum Sparen geschaffen wird.

In einem Punkt sind wir nun wenigstens einen kleinen Schritt weitergekommen: nämlich, was die auf 4 Mrd. RM veranschlagten, durch Sparbücher zu belegenden Forderungen der Ostvertriebenen betrifft. Sie sind in dem (an anderer Stelle unseres Blattes ausführlicher besprochenen) Entwurf zum Lastenausgleichsgesetz anerkannt worden, in dem Sinne, daß sie ebenso behandelt werden, wie s. Z. die im Bundesgebiet umgestellten Sparguthaben. Es werden also 240 Mill. DM daraus zur Auszahlung kommen können, 20 Mill auf Festkonto gehen. Wie in der Bundestags-Debatte vom 26. Juli über die Interpellation der Bayernpartei und des Zentrums zur Frage der „alten“ Sparguthaben von Minister Schäffer aus mitgeteilt wurde – der Wortlaut ist in Heft 16 der Zeitschrift „Sparkasse“ wiedergegeben –, hat man die Erörterung dieser Fragen aus triftigen Gründen bis zur Verabschiedung des Lastenausgleichsgesetzes verschoben. Dann wird also das Thema erneut zur Behandlung drängen, nachdem es durch die (erste) Regierungserklärung des Bundeskanzlers als eine Art „Fernziel“ gestellt worden ist. G. K.