Göttingen, Ende Oktober

Es gibt in Deutschland nur wenige bedeutende Pflegestätten großer Tanzkunst. Ihnen ist künftig das Deutsche Theater in Göttingen zuzurechnen, dessen Tanzgruppe unter Leitung von Hans von Kusserow steht. Sie gab ihr Debüt mit der deutschen Erstaufführung von Strawinskys „Kuß der Fee“. Die Wiedergabe in Kusserows Choreographie bestach durch eine Einheit von tänzerischer Gestaltung und musikalischer Aussage, wie sie nicht häufig zu erleben ist. Die Frage, ob klassisches Ballett oder moderner Ausdruckstanz, erfuhr hier eine Beantwortung durch die überzeugende Vereinigung der klassischen Mittel mit den modernen pantomimischen.

Das Wagnis einer auf 70 Minuten zusammen gedrängten Tanzfassung von Bizets „Carmen“ erwies sich in der Wirkung nicht von gleicher Geschlossenheit. Einzelne Partien waren jedoch von solchem tänzerischen Reiz, daß auch diese Uraufführung (Szenarium und Choreographie Hans von Kusserow) zu einem Erfolg wurde. Die Virtuosität ausgezeichneter Künstler wie Marcel Luipart, Lisa Kretschmar und Gisela Deege, die aber nie die Einheit des Ensembles durchbrachen, wurde stürmisch gefeiert. Günther Wernborn hatte die musikalische Leitung. W,-ier