Was ist nicht alles von Berufenen Unberufenen, Pseudo-Fachleuten und solchen, die glauben, sie seien unfehlbar, zu den letzten Maßnahmen des „autonomen“ Zentralbankrats kritisch und gekränkt gesagt worden! Entweder hat man in diesem Punkt falsche Vorstellungen oder denkt zu kurzsichtig: knappes Geld bei konjunktureller Vollbeschäftigung durch richtige restriktive Kreditpolitik kann doch nicht zu allgemeinen Preissteigerungen führen! Und Ursache und Wirkung sollte man doch endlich reinlich scheiden – und die Gewichte eben in ihrer Gewichtigkeit sehen und anerkennen.

Nun haben die Verfechter knappen Geldes in der gegebenen Situation zwei Bundesgenossen gefunden, die integer sind. Sie haben wirklich keine direkten oder indirekten Bindungen, die ihnen vielleicht ein Gutachten vorschrieben, das nicht neutral-objektiv ist: die Gutachter Jacobson und Cairncross, Vertreter der europäischen Zahlungs-sunion, an die wir so hoch verschuldet sind. Was hört man von den Gutachtern?

Sie sagen, es sei Tatsache, daß Westdeutschland traditionell (soweit man in dieser Nachkriegszeit von Tradition sprechen kann) Gläubigerland im Europahandel war, somit gemäß der Struktur seines Außenhandels kein Interesse für eine initial Position, als einer Strukturhilfe für den Aufbau, die „Zündung“ des Auslandsgeschäfts, haben konnte. Diese Haltung ist auch von der deutschen Marshall-Plan-Vertretung eingenommen worden. Wenn also Westdeutschland keine initial Position erhalten hat, so nicht nur aus der Böswilligkeit der anderen.

Daß wir in der Liberalisierung vorangegangen sind, steht fest und erkennt jeder an. Immerhin wurde diese Vorleistung aber, soweit sie sich vorübergehend in einer Passivierung des Außenhandels-Saldos niederschlug, schon vor „Korea“ ausgeglichen. Erst mit diesem Krieg setzte die starke Passivierung ein; daran war nicht allein die starke Zunahme der Einfuhr, sondern auch die Abnahme der Ausfuhr beteiligt: das Binnengeschäft wurde bequemer und „interessanter“. Daraus, ergibt sich zwangsläufig, daß die Gutachter die binnenkonjunkturelle läge zu berücksichtigen haben. Und sie fanden im letzten Monatsbericht der Bank deutscher Länder die Bestätigung, daß „zu viel Geld“ am Binnenmarkt vorhanden war.

Man kann somit kaum erwarten, daß eine schematische Erweiterung der Kreditlinie Deutschlands bei der Europäischen Zahlungsunion empfohlen wird. Das würde den binnenkonjunkturellen Trend ja nur stützen. Wie immer diese Hilfe aussehen mag, sie wird auf jeden Fall daran gebunden sein, daß das Inlandsgeschäft gestoppt, der Export gesteigert wird.

Wir brauchen also das binnen wirtschaftliche Klima, unter dem nicht durch eine übermäßige – auf reichlichem und billigem Gelde beruhende – am Markt wirksame Kaufkraft die Importnachfrage gesteigert und die Exportnotwendigkeit durch gesicherten Binnenabsatz gedrosselt wird Wenn sich dann, wie man weiter hört, noch herausgestellt hat, daß die bisherige Binnenkonjunktur auf der Kreditschöpfung des Staates und der übermäßigen Kreditausweitung der Banken beruht hat, so ist die daraus resultierende Geldpolitik eindeutig bestimmt.