In Hamburg-Finkenwerder wurde Ende September die BP-Raffinerie ihrer Bestimmung übergeben. Ihre Bedeutung für Hamburg und Westdeutschland wird erkennbar, wenn man weiß, daß sie von 4,2 Mill. t Rohöl, die 1950/51 in Westdeutschland verarbeitet werden sollen, 600 000 t für sich in Anspruch nimmt. Und von den 470 000 t der westdeutschen Crack-Kapazität verfügt die BP-Raffinerie Finkenwerder allein über 300 000 t.

Mit dem Erwerb und dem Wiederaufbau der Raffinerie in Finkenwerder hat sich die Anglo Iranian Oil Company, Ltd., London, mit starken Impulsen in das westdeutsche Ölgeschäft eingeschaltet. Und dieser Schritt wurde in deutschen Kreisen als ein wertvoller Vertrauensbeweis dieses großen Unternehmens gewürdigt, das unter der Bezeichnung „BP“ in fast allen (Ländern Europas und in zahlreichen Ländern Ostasiens seine Produkte aus dem Mittleren Orient, also aus Persien, Kuwait und dem Irak, vertreibt.

Wie begann diese Entwicklung? – Als der Engländer William Knox d’Arcy 1901 im Norden des Persischen Golfes einen schmalen Streifen vegetativen Lebens, verließ, um im Hinterland dieser Oase nach Öl zu suchen, wurde in den Großstädten des Kontinents über ihn gelacht. Aber er lachte zuletzt. Knox hatte in der Tat gut lachen, denn er fand mit seinen Sonden unter der glühend-heißen Oberschicht der Wüste eines der reichsten Ölgebiete der Welt. 1909 gründete man dann die Anglo Persian Oil, die später in die jetzige Anglo Iranian Oil umgewandelt wurde. Fast über Nacht schossen in der Nähe der Ölfelder die ersten Siedlungen aus dem Boden. Wenn auch der Weltkrieg 1914/18 die Entwicklung unterbrach, so waren doch schon 1920 alle Folgen überwunden. 1933 wurde die Konzession erneuert. Die Gesellschaft erhielt Forschungs- und Auswertungsrechte im Südwesten Persiens. Damit setzte eine großzügige Planung zur Zivilisierung und Kultivierung des gesamten Landes ein. Auch für die Menschen Persiens war die Entwicklung sehr erfolgreich, das zeigte sich im Wohnungsbau, Gesundheits- und Schulwesen, der Förderung der Technik und des Straßenbaus. Heute beschäftigt die Anglo Iranian Oil allein in Persien weit über 75 000 Menschen.

Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Ölfelder entwickelte sich auf einer Insel in der Mündung des Schatt-el-Arab eine moderne Stadt, die heute über 120 000 Einwohner zählt: Abadan. In ihrer Nähe liegt die größte Raffinerie der Welt, es sind die Anlagen der Anglo Iranian Oil. Abadan ist eine Hafenstadt zwischen Meer und Wüste, in der neben einer Hochschule 17 Lehranstalten, neuzeitliche Wohnblocks, Krankenhäuser und Kraftwerke bestehen und man auch das Ernährungsproblem, das der karge Boden mit sich bringt, erfolgreich löste: Rinderzuchten, Geflügelfarmen, Molkereien und ein dem Boden angepaßter Gemüsebau wurden großzügig aufgebaut. Zusätzlich nahm man eine Fischereiflotte in Betrieb. Alle diese Faktoren gewährleisten heute den vielen Menschen, die sich in den letzten vierzehn Jahren in Abadan zusammengefunden haben, eine sichere Ernährung. Für jeden Kenner Persiens ist es immer eine Überraschung, wenn er nach längeren Zwischenräumen wieder einmal im Häfen von Abadan ankommt und feststellen kann, daß in den rückliegenden Jahren diesem großzügigen Werk der Zivilisation weitere Bausteine eingefügt wurden, -ke.

Die Deutsche Vacuum Öl Aktiengesellschaft hat jetzt als weiteren Großtanker das Tankschiff „Pauline Friedrich“ der Bremer Reederei E. Friedrich für zwei Jahre gechartert. Es hat eine Ladefähigkeit von 9000 t und entwickelt eine Geschwindigkeit von zehn Seemeilen. Damit hat die Deutsche Vacuum Öl AG. zwei Tanker für die Rohölfahrt Persien–Bremen eingesetzt.