Die amerikanische Militärpolizei in Württemberg Baden hat in der vergangenen Woche zwei Deutsche verhaftet, die an Frankreich ausgeliefert werden sollen. Sie sind verdächtig, Kriegsvei brechen begangen zu haben. Die deutsche Polizei hatte ihre Festnahme abgelehnt, da Artikel 16 des Grundgesetzes die Auslieferung von Deutschen an das Ausland verbietet. Die amerikanische Hohe Kommission aber berief sich auf das Besatzungsstatut. Mit anderen 7oitens Ein deutsch- alliierter Streiffall par, excelienc e, Daß er ausjeredinat in WürtwmberjBaden abrollt k ann nur den überraschen, dsr Charles P, jGr öss, nicltt kennt. Denn es sckrint zu den Gesetzmäßigkeiten der deutsdien Naffakriegspolitiji zu- gehören, daß in dem Herrschaftsbereich dieses amerikanischen Landeskommissars alle dgutsch alliierten Auseinandersetzungen, einmal Als der 59 Jalire alte Militär im Januar 1949 die jfachfolge Lafoiettcs in Stuttgart, antrat — der hatte einer Auseinandersetzung mit General Clay über die Handhabung eines Straßenkrawalls weichen, müssen —, da wußte man wenig mehr über ihn, als daß er in Brooklyn geboren wurde, Vater, von fünf Kindern sei, seit 191 4 SoMat und, geletzt Chef der Zwei Mächte KontrollAbteilung. Bald erfahr man mehr. Gross war der erste amerikanische Prokonsul, der mit Stolz betonte, daß in seinen Ädern wßd denen seiner Frau vornehmlich deucclies iMui fließe, Er betrachte, so sagte er, das Sdrov öeniand als die Heimat seiner Ahnen und fasse seine Mission auf wie der heimgekehrte Sohn, der <?raaSen in dr Fremde mit seinem Pfcnd gewwüert habe. "Mein Herz schlägt in dieser Sache nicht", lautete kürzlich der lakonische Kionftnentar des Landeskominissars zum Ergebnis der SüdwestSiföat Äbstimmng. In der warttfenbergäscljbadlsctien Haaspölitik aber ist nach wie vor eben dieses "schlagende Herz des Charles P. Gioss der vieikcfat stärkste Faktor.

diesen Soldaten auf den ersten Blick hisdi, macht, ist seine mitunter, bärbeißige aber immer ehrlidie Art; das Temperament, mit dem er vertritt, was in seinen. Augen das Richtige, ist; dl Schärfe, mit der er ablehne, was ihm nicht geheuer erscheint. Seine Pressekonferenzen sind schon längst z einer Quelle der Sensationen geworfen, denn es gibt kaum eine Angelegenheit, zu der Charles P. Gross nicht eine sehr dsziciene Meinung zu sagen hätte. Auf diesen Zusammenkünften wurde freilich alsbald drenbar, daß ier Landsskomtnissar über die meisten Dinge anderer Auffassung war als die von der Besatzungsmadat lizenzierten schwäbischen Gewalt der Regierung and des Landtages. Ministerpräsident Dr" Reinhold Maier dachte oft anders, uad anders dachten oft die Minister and die Abgeordneten. Wenn Gross sSJj dagegen wandte, daß eis vom Landtag beschlossenes Rcnten scns die Ehefrauen von Beamten besser beiandelte als von Nichtbeamten, wenn er seinen Spott über dem Äutoritätsfimmel der Deutschen ausgoß und bemerkte: "Viel wird erreicht sein, wena die Desitscfaejj einmal soweit sißd, unfähige Volksvertreter aus ihren Ämtern zu werfen", wenn er behauptete, in Kalifornien habe man mehr Sympathien für die ostdeutschen Flüchtlinge als in Württemberg Baden, und wejm er schließlich so gründlich gegen die "Beamteokaste" wetterte, daß der Landtag sich tatsächlich gezwungen sah, jetzt die "Wählbarkeit von Beamten im neuea Wahlgesetz einzuschränken —: dann beschwor er damit jedes Mal eine Kontroverse herauf, die tagelang hauptstädtischen Gesprächsstoff bildete. Ministerpräsident, Maier brachte es zwar mit unverkennbarem GeseMck noch jedesmal fertig, bei solchen Auseinandersetzungen sich, die Regierung und den Landtag ia die Rolle von za Unrecht gekränkten patriotischen deutsdien Patentdemokraten zu manövrieren, denn die Form des Vorgehens von Gross, die immer drastisch, oft verletzend uad meist juristisch angreifbar war, bot stets willkommene Gelegenheit, von der Sache abzulenken, um die es ursprünglich ging. Bevölkerung und Presse aber haben ihr deshalb nicht aufgegeben. Im Gegeateii: Spötter meinen, ob es nicht an der Zeit sei, das springende Pferd im Wappen der Lanäeshaupicstadt durch das schlagende Herz des Laadeskommissars