III. Der zweite Militärputsch und der Kriegseintritt – Damjan Weltscheff – der Mann, der dreimal die Macht in Bulgarien gewann

Von B. N. Gavrilovic

General Damjan Weltscheff, der 1944 die Kommunisten in Bulgarien durch einen Staatsstreich an die Macht brachte und dann als Kriegsminister an ihrer Regierung mitwirkte, schildert in der dritten Fortsetzung seines Tatsachenberichtes die Zeit, in der sich die Katastrophe Bulgariens bereits ankündigte: die letzten Jahre vor dem Krieg und den Krieg. Er selbst wurde in dieser Zeit vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt, jedoch später begnadigt. In diesen Jahren bereitete er seinen letzten Schlag gegen die verhaßte Dynastie vor, der ihn selbst zu einem Teilhaber der kommunistischen Macht werden ließ. Sein Schicksal ist deshalb beispielhaft, weil es zeigt, daß jede Zusammenarbeit mit den Kommunisten – legal oder illegal, in gemeinsamem Staatsstreich oder in der Koalition – lebensgefährlich ist. Nicht immer gelingt die Flucht, wie sie Weltscheff unter den besonderen Umständen, die ibn mit der bulgarischen Armee verbänden, in die Schweiz geglückt ist.

Im Jahre 1931 erneuerte eine Gruppe meiner Freunde ihre politische Aktivität. Sie trat abermals gegen die alten Parteien auf, diesmal aber mit einem fortschrittlichen sozialen Programm. Diese Gruppe wurde ausschließlich von Intellektuellen gebildet und war ohne Rückhalt in den breiten Massen. Sie nannte sich Sveno (das heißt Reifen oder Kettenring). Während sie schon bestand, regierte Boris ganz nach Gutdünken. Die politische Korruption erreichte einen Höhepunkt. Das Volk war unzufrieden, aber ohnmächtig. Wieder konnte die Rettung nur von der Armee kommen, davon war ich überzeugt. Auch damals war ich an der Spitze der Militärorganisation. Wir hatten Erfahrung vom letztenmal. So wurde ein neuer Staatsstreich beschlossen, der gründlicher sein sollte als der erste.

Am 19. Mai 1934 wurde der Staatsstreich durchgeführt, und zwar zur selben frühen Morgenstunde und genau in der gleichen Weise wie der erste Putsch im Jahre 1923. Diesmal ernannte die Militärorganisation selbst die neue Regierung. Ministerpräsident wurde der Oberst Kimon Georgijeff, der mein Kamerad aus der Armee und aus der Organisation Sveno war. (Derselbe Georgijeff wurde 1944 der erste Ministerpräsident der Koalition mit den Kommunisten und gehört heute noch auf einem nebensächlichen Posten der kommunistischen Regierung in Sofia an.)

„Und warum sind Sie auch diesmal wieder außerhalb der Regierung geblieben?“ fragte ich.

„Ich konnte nicht anders. Um meiner Sache sicher zu sein, hätte ich Ministerpräsident oder Kriegsminister werden müssen. Das war jedoch unmöglich, denn niemals hätte ich mit dem König zusammenarbeiten können. Es kam deshalb beinahe zu einer Revolte in unserer Organisation, die forderte, daß alle Macht in meiner Hand vereinigt werde. Ich blieb aber fest, und schließlich stimmten meine Kameraden zu, wenn auch ohne Begeisterung. Als Georgijeff die Regierung bildete, wußte das Volk sogleich, daß der Staatsstreich von der Armee ausgegangen war, die Armee aber wunderte sich, mich nicht auf der Ministerliste zu finden. Ein paar Tage später erklärte der Finanzminister vor der Presse, daß die Regierung von Georgijeff und Weltscheff geführt werde. All das war für mich nicht angenehm. Es störte mich sehr, daß die Leute sich auf der Straße versammelten und aus den Kaffeehäusern herauskamen, um mich zu sehen. Es war ferner keine glückliche Wahl, daß General Slateff, Inspekteur der Kavallerie, Kriegsminister geworden war. Slateff war ein Mensch von labiler Moral, mit dessen Freundschaft man niemals rechnen konnte. Ich blieb also draußen, aber dennoch fiel alle Verantwortung auf mich. Nur in einer Hinsicht konnte ich diesmal zufrieden sein: bei diesem Staatsstreich war kein Blut geflossen.