Zu den Faktoren, die Berlin auch zu unserer geistigen Hauptstadt machten und heute noch machen – einer Stadt, mit deren Lebendigkeit und innerer Weite sich kein anderer Platz in Deutschland messen kann –, gehört das Berliner Philharmonische Orchester. Es war und ist das „erste“ deutsche Orchester nach Qualität, Vitalität und Aktivität wie nach dem Range seiner Dirigenten, gekennzeichnet durch die Namen Hans von Bülow, Arthur Nikisch und Wilhelm Furtwängler. Nach dem Kriege erwarb sich der Rumäne Celibidache das große Verdienst, den gefährdeten Klangkörper zusammenzuhalten und in künstlerische Pflege zu nehmen. So widerstand der größere Teil seiner Mitglieder der Verlockung zur Abwanderung in die zahlkräftigen Rundfunkorchester, und bald konnten die Philharmoniker als erstes deutsches Orchester wieder das Ausland bereisen.

Der Westberliner Magistrat hat sich nach besten Kräften bemüht, den Philharmonikern eine gesicherte Existenzbasis zu geben. Das Orchester wurde städtisch, und der Magistrat trat für das Defizit ein, was indessen ohne Kürzung der Gehälter nicht möglich gewesen wäre. Damit entstand aufs neue die Gefahr der Abwanderungen zum Rundfunk.

Nun hat Furtwängler die Initiative ergriffen und das Schicksal der bedrohten Künstlergemeinschaft In seine Hand genommen. Er hat sich entschlossen, nach Berlin zurückzukehren und vom Herbst 1951 an wieder die ständige Leitung der Berliner Philharmoniker zu übernehmen. Die künstlerische Zukunft des Orchesters ist damit gesichert. Um auch die materielle Existenz zu ermöglichen, machte Furtwängler dem Bundeskanzler den Vorschlag, das Berliner Philharmonische Orchester in die Obhut der Bundesregierung zu nehmen. Es wäre dringend zu wünschen, daß diese Anregung den erhofften Erfolg zeitigte, nicht zuletzt auch um der eminenten Bedeutung willen, die jedem traditionellen Exponenten unserer Kultur gerade auf dem heißen Boden Berlins zukommt. A–th