Es wird erzählt, daß ängstliche Leute, die es versäumt haben, rechtzeitig Kohle einzukellern, sich jetzt Kilo-Paketchen mit Briketts von Freunden und Bekannten aus dem Ruhr- oder Braunkohlenrevier schicken lassen. Aber die Fachleute glauben nicht an eine wirkliche Knappheit. Sie sprechen von einer Art Knappheitspsychose fast aller Verbraucherkreise, ausgelöst durch Koreakrise und Konjunkturanspannung und verschärft durch die Erwartung, daß die vierte Lohnaufbesserung im Kohlenbergbau zu Preiserhöhungen führen werde. Eine gewisse Schuld trifft offenbar auch die Kohlenbergbauleitung. Sie hat im Spätsommer, unter dem Druck hoher Haldenbestände, die Förderung leicht abgebremst und zugleich das Gespenst der Verknappung an die Wand gemalt, um den Verkauf zu forcieren und flüssige Mittel hereinzubekommen. Damals, im August, bot man der Ruhrbehörde für das letzte Quartal 1950 noch 7,25 Mill. t Kohlen zum Export an. Im Oktober bemühte man sich dann vergeblich, die Exportmenge nachträglich auf 5,5 Mill. t zu begrenzen und einen günstigeren Preis herauszuholen. Mittlerweile waren nämlich ohne zwingenden Anlaß 400 000 t zu einem recht schlechten Preis frei exportiert worden, was die deutsche Position in den Verhandlungen über die Ausfuhr nicht gerade erleichterte.

Im Moment ist die wichtigste Frage noch offen, ob der Kohlenpreis „nur“ um 2 DM je t erhöht wird, entsprechend den gestiegenen Lohnkosten, oder um 4 bis 5 DM, damit endlich die erforderlichen Ergänzungs-Investitionen vorgenommen werden können. Inzwischen steigt die Förderung stetig: von täglich 350 000 t im September auf fast 380 000 t heute. Förderprämien für Mehrleistungen werden die Produktion weiter steigern, während andererseits nach einer Preiserhöhung die Nachfrage, angesichts ausreichender Vorräte bei den meisten industriellen Großverbrauchern, wahrscheinlich nachlassen dürfte; beides mag in Kürze zu einer Entspannung der Versorgungslage beitragen. Für die Zukunft aber wird man aus der Entwicklung der letzten Monate noch einige Lehren ziehen müssen, damit sich unnötige Versorgungsspannungen und -pannen, als Ergebnis einer zwiespältigen Produktions- und Verkaufspolitik der „Monopolbehörde“, nicht wiederholen. G. A.