Es ist nicht bekannt, ob der Diktator und Lyriker Mao Tse Tung auch dem koreanischen Freiheitskampf bereits Gedichte gewidmet hat. Soldaten jedenfalls schickte er. General MacArthur hat den Sicherheitsrat am Montag offiziell davon in Kenntnis gesetzt, daß rotchinesische Truppen in Korea gegen die Streitkräfte der Vereinten Nationen kämpfen. Der Welt-Sicherheitsrat wurde daraufhin einberufen.

Die Situation in Korea ist heute gefährlicher als in den Morgenstunden des 25. Juni, am Tag des Kriegsausbruches. „Während die nordkoreanischen Streitkräfte, denen wir anfangs gegenüberstanden, vernichtet oder kampfunfähig geschlagen sind“, so heißt es in dem letzten Kommuniqué des Generals MacArthur, „steht uns jetzt eine neue und frische Armee gegenüber, die in der Lage ist, große Reserven und ausreichende Mengen an Nachschub aus dem Ausland heranzuziehen, auf Wegen, die außerhalb unserer gegenwärtigen Aktionsgrenze liegen.“ Die Zahl der im Rücken der UNO-Truppen kämpfenden Partisanen wird auf 45 000 Mann geschätzt. Las unzugängliche Gebirge im Norden des Landes eignet sich denkbar schlecht zum Angriff, aber ausgezeichnet zur Verteidigung. Für den bevorstehenden Winter werden Temperaturen von minus 35 Grad erwartet. Die Moral der südkoreanischen Truppen wird von amerikanischen Beobachtern mit jener Haltung verglichen, die diese Soldaten als geschlagene Armee im Brückenkopf von Fusan gezeigt haben. Und in Soeul, der Hauptstadt des „befreiten Landes“, hat die Nationalversammlung das vom Staatspräsidenten Syngman Rhee eingesetzte Kabinett zum Rücktritt aufgefordert, mit der Begründung, dies sei die Regierung, die für den koreanischen Krieg verantwortlich zeichne...

Ein Ende der militärischen Aktion in Korea ist also einstweilen nicht abzusehen. Ein Ende der politischen Begrenzung des Konfliktes auf Korea leider sehr wohl. Zuverlässigen Informationen zufolge kämpfen zur Stunde über 75 000 Rotchinesen auf koreanischem Boden. Über Dairen, Mukden, Port Arthur und zwei andere rotchinesische Häfen in der Mandschurei soll bereits der Ausnahmezustand verhängt worden sein. Die kommunistischen Behörden in Mukden gaben bekannt, daß Luftschutzbunker gebaut und andere Luftschutzmaßnahmen ergriffen werden. „Alle demokratischen Parteien und Organisationen“ Rotchinas, beschlossen, „die von dem ganzen chinesischen Volke freiwillig übernommene heilige Aufgabe zu unterstützen, Amerika Widerstand zu leisten und Korea bei der Verteidigung seines Landes und seiner Heimstätten zu helfen.“ Der Krieg der freien Nationen gegen Rotchina ist zur drohenden Möglichkeit geworden.

Krieg gegen Rotchina aber kann Krieg gegen Rußland bedeuten. Artikel 1 des am 14. Februar 1950 in Moskau, abgeschlossenen dreißigjährigen Freundschafts-, Bündnis- und Beistandsvertrages zwischen der Sowjetunion und der Volksrepublik China lautet:„...Für den Fall, daß einer der Vertragspartner von Japan oder von mit Japan (direkt oder indirekt) verbündeten Staaten angegriffen und auf diese Weise in den Kriegszustand versetzt wird, wird der andere Vertragspartner sofort mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln militärische und sonstige Hilfe leisten...“ Daß der Kreml schon heute bemüht ist, die an Japan geknüpften Voraussetzungen für den casus foederis zu schaffen, zeigt die von den Nordkoreanern erhobene und von den sowjetischen Delegierten in der Fernost-Kommission aufgenommene Beschuldigung, daß die Amerikaner japanische Truppen in Korea eingesetzt hätten.

Es scheint, als werde sich die UNO-Kommission für den Wiederaufbau und die Wiedervereinigung Koreas auf ihrer ersten Konferenz, die für den 20. November in Tokio einberaumt ist, einstweilen wieder vertagen müssen. C. 7.