König Georg VI. von England, mit mittelalterlichem traditionellen Prunk und von Reitern in historischen Uniformen zum englischen Parlament begleitet, hat die neue Sitzungsperiode mit seiner traditionellen Thronrede eingeleitet. Der Inhalt dieser von der Labourregierung ausgearbeiteten Rede war für das englische Parlament aber nicht traditionell, sondern glich eher der programmatischen Erklärung einer autoritären Regierung.

Die Labourregierung fordert durch den Mund des Königs, daß die Kontrollvollmachten, die der englischen Koalitionsregierung während des letzten Krieges zugestanden worden waren, künftigen Regierungen ständig zur Verfügung stehen müßten. Das bedeutet: es wird in England, wenn sich die Forderungen der Regierung durchsetzen, keine Freiheit der Wirtschaft und des Handels mehr geben; die autoritäre Staatsform, auf der ganzen Welt in unaufhaltsamem Vormarsch, hat dann sogar ein Land in seine Gewalt, bekommen, dessen Könige als einzige in Europa es niemals fertiggebracht haben, längere Zeit ungestört autoritär zu regieren.

Was den englischen Königen nicht gelang, gelingt heute in der ganzen Welt Faschisten, Kommunisten und totalitären Parteien. Wer sie sind, hat Ortega y Gasset genau beschrieben: Inspektoren, Parteisekretäre und kleine Beamte, die im Nebenberuf vielleicht Blockleiter sind. Und gegen einen Staat, der von ihnen regiert wird, kann sich augenscheinlich ein anderer nur behaupten, wenn er auch von Inspektoren und Parteisekretären geleitet wird. So ist die Bankrotterklärung der Demokratie in England, an der Welt gemessen, an sich kein neuer Vorgang. Er ist nur noch schmerzlicher als ähnliche in anderen Ländern: einmal, weil er die bis vor kurzem unerschüttertste Demokratie Europas betrifft und dann auch, weil ihn ein König verkündet.

P. H.