Wir sollten dies in unserer Sorge nicht vergessen; Es gibt nicht nur deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion. Vor allem Japaner sind es, die dem Kreml noch heute neben den deutschen Soldaten als Sklavenarbeiter dienen müssen. Darum veröffentlichen wir nachfolgenden Bericht eines ehemaligen Kriegsgefangenen über seine Erlebnisse mit japanischen Kameraden.

In den ersten Januartagen 1946 trafen etwa 2000 der in Korea gefangenen japanischen Offiziere und Soldaten im Lager Saporoshje ein. Neugierig und verschüchtert zuerst, dann aber, im Bewußtsein, Sieger zu sein, betont selbstbewußt – so traten ihnen die Sowjets gegenüber. Sie hatten keinen Erfolg damit So sehr die Posten schrien, so hilfsbereit und freundlich die Schwestern waren, das alles machte genau sowenig Eindruck auf die Japaner wie die Drohungen des gefürchteten Lagerbefehlshabers. Die Neuen hörten nur auf das, was ihnen ihr Oberst Taso sagte. Mit diesem mußten die Sowjets wohl oder übel verhandeln. Das sah dann so aus: Sie gaben ihm Anweisungen. Taso verneinte sich freundlich – und tat, was er für richtig hielt...

Elementar und unüberbrückbar war der Haß der Japaner gegen die Russen. Offen und unbekümmert schwärmten sie von der japanischdeutschen Waffenbrüderschaft und einem zukünftigen Vernichtungskrieg gegen den sowjetischen Despotismus. Nur langsam gewöhnten sich die Kinder der Sonne an die Verhältnisse der russischen Gefangenschaft, ohne allerdings in moralischer und körperlicher Hinsicht auf die Stufe der europäischen Gefangenen zu fallen. Sie nahmen statt dessen eine wahrhaft ideale Auffassung von der Gefangenschaft an. Sie lebten in den Tat hinein, ohne sich viel Gedanken zu machen. Sie ließen nichts an sich herankommen, was sie in Konflikte hätte bringen können. Sie aßen gierig und waren auch vergnügt, wenn es nichts zu essen gab. Ihr Zusammenhalt war bewundernswert. Die kommunistische Propaganda ließen sie mit stoischer Ruhe kritiklos über sich ergehen. Ihre Einstellung zur Arbeit war die, daß jeder Handschlag nur „dem Feinde“ nütze Sie traten zur Arbeit an, taten aber nur einen Bruchteil dessen, was ihre deutschen Schicksalsgenossen in teutonischer Arbeitswut oder in ethischer Auffassung von der Arbeit bewältigten. Geriet auf der Baustelle ein Aufseher in Zorn und forderte sie zur Arbeit auf, dann lächelten sie ihn wie unschuldige Kinder an, schüttelten den Kopf und sagten: „Nix verstehen!“

Im Juni 1947 sollten die Japaner in die Heimat geschickt werden. Die Soldaten ließen die sowjetische Verwaltung wissen, daß sie nicht ohne ihre Offiziere zu fahren gedächten, die inzwischen in ein anderes Lager verlegt worden waren. Und erst als diese Zusicherung gegeben worden war, marschierten sie, ohne sichtbare Gefühlsregung, ab zum Bahnhof. Dortweigerten sie sich dann erneut, die Waggons zu betreten, solange die Offiziere nicht da seien. Und als diese tatsächlich nach einigen Stunden erschienen, da stellten die Gefangenen zum drittenmal eine Bedingung an die Sieger: Sie wollten nicht einsteigen, bevor die Offiziere gleichmäßig auf alle Waggons verteilt seien, da geschlossene Wagen mit Offizieren unterwegs leicht abgehängt werden könnten. Und wieder setzten sie ihren Willen durch ... v. L.