In unserer Außenhandelskrise starre man gebannt auf die nächstliegende Ursache: auf den steigenden Import. Und den Export bezieht man als festes Datum in die Kalkulation ein. Dementsprechend wird erst einmal das Nächstliegende empfohlen: Abbremsen des Imports durch das grobe Mittel der Kontingente oder aber durch kreditpolitische Eingriffe. Die deutsche Wirtschaft (Präsident Berg äußerte es kürzlich wieder in einem Offenen Brief) hat wiederholt auf die dauerhaftere Lösung hingewiesen. Sie lautet: mehr exportieren und nicht von den Prinzipien der Handelsliberalisierung abgehen.

Muß aber der Export bei diesen Engpässen. Walzstahl, Kohle, Energie, Verkehr nicht als unveränderlich „nach oben“ angesehen werden? Alles wird davon abhängen, ob es gelingt, die Kapazität der Exportindustrien entweder absolut zu erhöhen, zumindest aber den Anteil des Exports an der Gesamtproduktion auf Kosten des Binnenkonsums.

Im Normalfall wird der Export durch die Preise gesteuert. Die Preiserhöhung für Kohle, die in fast jedes Produkt als Kostenfaktor eingeht, mindert, zweifellos die Exportkraft; ebenso wie jede Lohnerhöhung. Doch sollte man diese Folgen nicht überschätzen. Der Verkäufermarkt ist wieder „da“. Und das heißt, daß die Kosten heute weniger als die Lieferfristen entscheiden. Hinzu kommt, daß die kreditpolitischen Eingriffe nicht ihre Wirkung verfehlen und die Wirtschaft zwingen werden, noch mehr zu rationalisieren – Export ist also weniger ein Absatz- als ein Produktionsproblem, wenn auch auf der Absatzseite schwierige Einzelprobleme zweifelsohne gegeben sind. Da ist die frage nach der optimalen Zusammensetzung des Exportwarenbündels – mehr Fertigwaren, weniger Rohstoffe; und da ist die Frage nach dem Absatz in bestimmte zahlungsbilanzpolitisch oder strukturpolitisch interessante Ländergruppen. Denn, die westdeutsche Zahlungsbilanzkrise gilt ja vorläufig nur partiell. Nur die Beziehungen zu den westeuropäischen Ländern werden vorerst berührt. Den „traditionellen“ Exportüberschuß hier wieder zu erreichen, hängt vom Verhalten dieser Handelspartner ab. Sie sind mit mehr Vorbehalten in die Liberalisierung eingestiegen als die Bundesrepublik, die – als „reiner Tor“ – das Mißtrauen Westeuropas auf sich geladen hat: denn unsere EZU-Partner fürchten, vielleicht die Zeche des „deutschen Experiments“ zahlen zu müssen.

Soll also der deutsche Exporteur seine Aufgabe, die Einschaltung in den Weltmarkt, für Dauer erfüllen, dann bedarf er der Unterstützung durch eine gute deutsche Handelspolitik. Hier verdient ein Vorschlag, der auch in Kreisen des Wirtschaftsministeriums Resonanz hat, Beachtung. Man denkt an eine Koppelung von Ausfuhr und Einfuhr. Am Weltmarkt begehrte deutsche Produkte sollten nur gegen die Einfuhr knapper Rohstoffe, die wieder die deutsche Exportindustrie braucht, geliefert werden. Zur Exportförderung gehört auch die Tadellosigkeit des deutschen Exporteurs. Man wirft ihm beispielsweise vor, mit Hilfe gefälschter Faktoren schaffe er sich im Ausland Devisenpolster. Diese Kritik geht am Kern vorbei. Die Devisenkontrolle bestimmungen treiben den Exporteur in die Illegalität. Er bedarf eben eines gewissen Maßes von Handlungsfreiheit, jede Lockerung der Devisenkontrolle ist daher zu begrüßen. Auch das Bundeswirtschaftsministerium steht auf diesem Standpunkt und hat beispielsweise bisher alle Vorschläge, den Devisenfreibetrag bei Dollarexporten aufzuheben, abgelehnt. Denn 50 v. Ei, der Dollarfreibeträge sind volkswirtschaftlich sinnvoll eingesetzt worden, haben also „amtliche“ Devisen einsparen helfen. Und: bei Abschaffung des Freibetrags besteht die Gefahr, daß sich ausländische Transithändler noch stärker in den deutschen Dollar-Handel eindrängen. So haben schon jetzt holländische Firmen mit Hilfe ihres „Dollarbonus“ einen erheblichen Teil des deutschen USA-Exportes an sich gezogen.

Dieser Umweghandel liegt nicht im Sinne des Dollar-Drive, bei dem alles darauf ankommt, dem deutschen Exporteur ausreichende Kenntnis der Märkte in den Dollarländern zu vermitteln, um dort nicht nur vorübergehend in Zeiten der Hochkonjunktur, sondern für dauernd Fuß fassen zu können. H.