„Sie waren in der Tat wilde Tiere. Die schlimmsten waren: Trajtscho Kostoff (stellvertretender Ministerpräsident und Kommunist Nr. 2 Bulgariens nach Dimitroff, wurde 1949 von den Kommunisten unter der Beschuldigung gehängt, Landes- und Hochverrat begangen und mit Tito konspiriert zu haben), Anton Jugoff (Innenminister), Mintscho Nejtscheff (damals Vorsitzender des Parlamentspräsidiums, jetzt Außenminister) und die Tsojla Dragojtschewa (Postminister). Das sind greuliche Leute, wirklich greuliche Leute.“

„Doch, wieso war gerade Kostoff ein schrecklicher Mensch?“

„Er war die Verkörperung kommunistischer Widerlichkeit. Als ich ihm zum erstenmal begegnete und seine grausamen Augen sah, fühlte ich, daß wir zwei verschiedenen Welten angehörten. Seine Handlungen und sein Verhalten, als er Minister war, waren ausgefüllt von schauerlichen Untaten und von größter Perfidie. Ich konnte ihn nicht ausstehen, und er mich nicht. Wir haben kein Geheimnis daraus gemacht, denn ich bin nicht ängstlich und er war es auch nicht. Er hat die Mordbefehle für Tausende unschuldiger Menschen herausgegeben. Er trägt auch die Schuld für den Mord an Nikola Petkoff.“ (Petkoff war im Leipziger Reichstagsbrandprozeß der Verteidiger Georgi Dimitroffs gewesen. Als Dimitroff freigesprochen war, kam seine alte Mutter zu Petkoff, um ihm zu danken: „Mein Sohn wird Ihnen das nie vergessen“, sagte sie zu ihm. Fünfzehn Jahre später wurde Petkoff hingerichtet, während Dimitroff bulgarischer Ministerpräsident und Diktator war; er hat keinen Finger für seinen unschuldig verurteilten Verteidiger gerührt.)

„Und wie verhielten sich die sowjetischen Repräsentanten“, fragte ich.

„Der Sowjetgesandte Lawrischtew gab den Kommunisten volle Unterstützung. Ministerpräsident war zwar Kimon Georgijeff, aber die kommunistischen Regierungsmitglieder gewannen immer mehr Vorsprung bei der Errichtung ihrer eigenen Macht. Gelegentlich jenes Meetings hatten die Kommunisten beabsichtigt, nach dem Muster der Sowjetarmee in allen Einheiten Parteivertreter einzusetzen. Ich hatte das rückhaltlos abgelehnt. Wegen all dieser Dinge drängte ich auf eine offene Aussprache mit General Birisow. Ich bat ihn um eine Zusammenkunft, aber davon erfuhr auch der Gesandte Lawrischtew. Als Birisow und ich unser Gespräch begannen, meldete sich Lawrischtew am Telefon und verlangte, an unserem Gespräch teilzunehmen. Ich antwortete ihm, daß rein militärische Fragen verhandelt würden, und daß ich mit Birisow als Soldat zum Soldaten zu sprechen wünschte. Birisow war mit meiner Haltung einverstanden, aber Lawrischtew war wütend. Damals habe ich Birisow darauf hingewiesen, daß die Sache nicht gut ausgehen werde. Ich könne nicht zulassen, daß meine Autorität vor der Armee zerstört werde. Er war zunächst in voller Übereinstimmung mit mir und sprach sich gegen die Einbeziehung kommunistischer Funktionäre in die Regimenter aus. Schließlich aber sagte er zu mir: ‚Ich bin nicht Ihrer Meinung, denn Ihre Autorität ist gar nicht beeinträchtigt. Ich habe selbst gesehen, wie die Frauen Sie in Plewna auf den Schultern getragen haben und wie die Massen Sie am Alexander-Nevski-Platz begrüßt haben. Sie sind populär in der Armee und im Volk. Und ich kann Ihnen sagen, daß man in Moskau großen Wert darauf legt. Ich habe mit Molotow gesprochen, und er sagte mir, daß in Bulgarien kein kommunistisches Regime errichtet werde...‘ –

„Sie wissen ja“, fuhr Weltscheff fort, „wie es gekommen ist! Wer hat gelogen: Molotow oder Birisow? Wahrscheinlich beide!“ „Können Sie etwas darüber sagen“, fragte ich, „wie hoch die Zahl der Opfer des Kommunismus in Bulgarien ist?“

„Während ich noch im Lande war, wurden durch die Gerichte 2895 Personen zum Tode verurteilt, aber-ohne Gerichtsurteil wurde eine weitaus größere Zahl von Menschen ermordet. Zu Beginn haben sich die Kommunisten um den Posten des Ministerpräsidenten gar nicht bemüht, Ihrer waren vier in der Regierung, aber wie überall nahmen sie die wichtigsten Positionen ein: vor allem die Ministerien des Innern und der Justiz. Sowie sie in die Regierung kamen, begannen sie sogleich ihre Gegner zu verfolgen und zu ermorden, und dies in großer Zahl. Im Februar 1945 wurden die wichtigsten Träger der früheren Regimes verurteilt. Darunter waren die drei Regenten, Prinz Kyril, der frühere Ministerpräsident Filoff und der General Mischoff. Diese und die früheren Ministerpräsidenten Boschiloff und Bagrijanoff, zusammen mit einer Anzahl früherer Minister, wurden auf einmal zum Tode verurteilt und liquidiert. Der letzte Ministerpräsident vor unserer Regierung, Murawjeff, entging dem Tod. (Er wurde zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt.) Die Gerichte fällten Urteile, die vorher schon von den Kommunisten festgesetzt worden waren. Oftmals habe ich versucht, auf die Gerichte Einfluß zu nehmen, aber es half nichts: Zuletzt ging alles so, wie die Kommunisten es wollten.“