R. K. N. Zürich, im November

Der schweizerisch-amerikanische Handelskrieg, ausgelöst durch die amerikanische Offensive auf dem Uhrenmarkt, hat sich seit einiger Zeit auf den „Nebenkriegsschauplatz Coca Cola“ verlagert. Wenn auch Bern dabei noch nicht das schwere handelspolitische Geschütz aufgefahren hat, so tobt doch eine Art Partisanenkrieg gegen die Coca-Cola-Invasion. Und Winkelried, der „der Freiheit eine Gasse“ binnen will, ist hier der Basler Wirteverein, der gegen Coca Cola den Boykott verhängt hat...

In diesem Krieg gegen den dunkelfarbigen Angreifer haben sich sogar die Todfeinde Süßmost Wein und Bier verbündet. Da das Hauptquartier Coca Colas als Kriegsziel verkündet hat, jährlich 80 Mill. Flaschen in der Schweiz abzusetzen (obschon das nur 1 v. H. des schweizerischen Getränkekonsums ist), wurden nun die Milchproduzenten ebenfalls mobilisiert. Die Propaganda der „vereinigten Schweizer Getränke“ wirft Coca Cola vor, seine chemische Zusammensetzung sei unklar, seine Reklame aufdringlich, seine Gratiskostprohen seien „des Landes nicht der Brauch“, die Verdienstspannen zu hoch, und – was das schlimmste ist – es sei ein ausländisches Produkt.

Demgegenüber ist nicht zu bestreiten, daß Coca Cola den schweizerischen Lebensmittelgesetzen entspricht, daß Bordeaux und Porto ja auch nicht schweizerischen Ursprungs sind... also die Propagierung des autarkischen Rausches gegenüber der importierten Nüchternheit sich als der Ruf des Protektionismus nach der Importpolizei enthüllt. James Farley, der Präsident der amerikanischen Getränkefirma, hat den Schweizer Wirten in Zürich deutlich erklärt, daß eine Beschränkung der freien Getränkewahl sehr im Widerspruch zu einer der Grundlagen der Demokratie stehe: dem freien Handel und der freien Konkurrenz. Er befindet sich mit dieser Feststellung in Gemeinschaft einsichtiger Schweizer Kreise, die davon sprechen, daß auch in der Schweiz die Freihandelsgesinnung oftmals nur dann zu finden ist, wo der Liberalismus nützt, wogegen alle Propagandaregister gezogen werden. wenn er einmal schaden könnte.