„Es war die sowjetische Armee“ – so fuhr Weltscheff fort –, „die den bulgarischen Kommunisten an die Macht zu kommen half. Zwar gab es während des Krieges ein paar Kommunisten, die sich in den Gebirgsdörfern versteckten, ab und zu herunterkamen, sich mit einem Polizisten prügelten und dann wieder flüchteten. Doch gab es in Bulgarien keine Spur von solchen Resistancekämpfen, wie sie in Serbien General Michailowitsch und Tito führten. Oberhaupt hat man von Kommunisten bei uns nichts gehört, ehe die Rote Armee in das Land eindrang. Die wichtigsten bulgarischen Kommunisten hielten sich während des Krieges ja in Rußland auf. Die Sowjets, gemeinsam mit den heimgekehrten bulgarischen Kommunisten, legten es jetzt darauf an, die bulgarische Armee der Kommunistischen Partei zu unterwerfen. Da ich das ablehnte, so versuchten sie es selbst, mit verschiedenen Methoden. Zuerst wollten sie ihre ‚Partisanen‘ in die Armee bringen, die plötzlich Gott weiß woher auftauchten und Uniformen anzogen, mit Dienstgraden, die sie nach Parteiverdiensten erhielten. Diese problematischen Leute sollten in die Armee aufgenommen werden, unter Anerkennung der Dienstgrade, die die Partei ihnen gegeben hatte. Es waren elende und lächerliche Gestalten. Die alliierten Militärkommissionen amüsierten sich besonders über einen gewissen Dobri Terpesch. Er war ein kleiner Gastwirt, von dubioser Vergangenheit; jetzt war er plötzlich Partisanengeneral geworden und zog Tag und Nacht seine Generalsuniform nicht aus. Stets war er schmutzig, was ihn nicht hinderte, auf allen Kundgebungen die Hauptperson zu spielen. ‚Baja Dobri‘ – so nannten ihn seine .Partisanen‘ – war 65 Jahre alt und trug einen großen Schnurrbart, der ihn Stalin ähnlich machte. Doch dieser Schnurrbart hinderte nicht, daß er schließlich in Ungnade fiel. – So also sahen die Generale aus, die ich in die Armee aufnehmen sollte.“

„Und Sie waren immer noch Oberst?“

„Das nicht. Mich hatten sie inzwischen vom Oberst bis zum Generaloberst befördert. Weiter ging es nicht, weil ich nicht Marschall werden wollte.“

„Natürlich mußte man Sie befördern, damit Baja Dobrinicht Vorgesetzter des Kriegsministers wurde ...“

„Ja, ja“, lachte Weltscheff. „Aber in diesen Dingen hatte Moskau mehr zu sagen als die lokalen Kommunisten.“

„Wie aber waren Ihre Beziehungen zu den alliierten Militärkommissionen?“

„Sie waren gut, besonders zu dem amerikanischen Delegierten. Das waren angenehme Leute, aber sie mußten sich von den Kommunisten schikanieren lassen. Sie waren ohne Machtmittel. Was aber die Sowjetarmee betriff:, so benahm sie sich als Okkupator. Wir mußten sie ertragen ...“