DIE ZEIT

Soldaten-Diät

In Nr. 3 des Chronicle – des Organs der amerikanischen Besatzungsmacht, das sich noch bis vor kurzem Occupation Chronicle nannte – wird als Maßnahme zur militärischen Ertüchtigung eine in vielen Fällen notwendig gewordene Entfettungskur vorgeschlagen.

Kostspieliger Besatzungskomfort

Rund 4,5 Milliarden DM muß die Bundes-11 republik jährlich an Besatzungskosten aufbringen. In offiziösen Gesprächen wird von einer bevorstehenden Erhöhung des Besatzungsetats auf 7, ja sogar 8 und 10 Milliarden DM gesprochen.

Moskaus großes Spiel

Der sowjetische Vorschlag, die Viererbesprechungen über Deutschland wiederaufzunehmen, hat sich als ein diplomatischer Angriff großen Stils erwiesen.

Jugend zur Aufrüstung

Wie „die Deutschen“ sich zur Remilitarisierung verhalten, kann man heute in fast jeder Erklärung politischer Redner, in Kundgebungen und in Broschüren erfahren.

Gedämpfter Wahlsieg in Amerika

Die Wahlen für den 12. Kongreß haben nicht den von Präsident Truman zugunsten der Demokratischen Partei vorausgesagten „Erdrutsch“ gebracht.

Geschäft ist Geschäft

Die Herstellung von leichten Waffen für die 30 000 Mann starke Sicherheitspolizei ist der Bundesrepublik auf eine inoffizielle Anfrage hin von den Alliierten verboten worden.

Zivilist statt General

Voreilige Beobachter haben ihn den Bonner „Verteidigungsminister“ genannt. Spötter bezeichnen seine Dienststelle als „alliiertes Wohnungsamt“.

Ulbrichts Kabinett

Noch einmal hat man im Osten die Fiktion aufrechterhalten, die neue Regierung Grotewohl sei eine Koalitionsregierung, an der alle politischen Parteiender Sowjetzone Anteil haben.

Die längste pipe line

An diesem Mittwoch erreicht das erste pipe line-Rohöl von den, ergiebigen Feldern der Arabian American Oil Company an der saudiarabischen Küste des Persischen Golfes bei Ras Tanura den libanesischen Mittelmeerhafen Sidon.

Togliatti zahlt keine Miete

Während Innenminister Scelba in dramatischen Parlamentssitzungen den Zeigefinger seiner „starken Hand“ auf kommunistische Illegalitäten richtet, fahren die Togliattianer seelenruhig fort, ihre Sprachorgane des bewaffneten Aufruhrs in einer staatlichen tipografia zu drucken.

Kredite, Öl und Gold in Teheran

Das vierte iranische Kabinett dieses Jahres, mit dessen Bildung der Schah Ende Juni den Generalstabschef General Ali Rasmara beauftragt hatte, sitzt fest im Sattel.

DIE WOCHE

Der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nation nen forderte die rotchinesische Regierung auf, zu der Debatte über die chinesische Intervention in Korea Delegierte zu, entsenden.

Ein Mißverständnis

Vor drei Jahren haben die württembergischen Staatstheater, gemeinsam mit Wuppertal, Albert Camus’ „Caligula“ in Deutschland gestartet.

Die literarische Zeit

Gerd Gatter ist einer unserer bedeutendsten. Erzähler, seit heute. Dieser Satz, der eigentlich am Ende der Rezension zu stehen hätte, sei kurzerhand vorausgeschickt.

Die goldene Stadt

Von leher legte das Gemeinschaftsleben der Bienenvölker mit seiner sinnvollen Arbeits- und Funktionsteilung den Vergleich mit der menschlichen Gesellschaft und ihren staatlichen Institutionen nahe.

Der letzte Bourdet

Seit den Tagen des „Schwachen Geschlechts und der „Feinen Gesellschaft“ hat das Wiener Theater in der Josefstadt dem nicht selten auch menschlich liebenswerten, immer aber komödiantisch geschliffenen Boulevard-Dichter Edouard Bourdet, der 1945 verstarb, Gefolgschaft geleistet.

Die gnädige Erde

Als es im Theater hell wurde und die weitläufige, vorhanglose Bühne die Spieler aufgesogen hatte, begann die Huldigung für Zuckmayer.

Bücher für die Jugend

Herman Melville: Moby Die Jagd nach dem weißen Wal. Jugendausgabe (Ensslin & Laiblin Verlag, Reutlingen. 395 S., Leinen 6,80 DM).

Nehrus Partei

Der letzte Parteitag der regierenden Kongreßpartei Indiens in Nasik brachte eine Sensation; Premierminister Nehru und Staatspräsident Patel schlugen zwei verschiedene Kandidaten für das Amt des Präsidenten der Kongreßpartei vor: Kripalani und Tandon.

Heinrich Tessenow †

Wenn sein Name genannt wird, tritt einem unwillkürlich Hellerau vor Augen, jenes Heiligtum des Tanzes, das er für Jacques Dalcroze gebaut hat, mit der anschließenden Siedlung, wodurch zuerst sein Name berühmt wurde.

Verfängliche Liebe

Olivia von Olivia – unter diesem Titel erschien vor kurzem in England eine selbstbiographische Erzählung, die von dem Nobelpreisträger Roger Martin du Gard gleich darauf ins Französische übersetzt wurde.

Notizen

Den Nobelpreis für Literatur des Jahres 1950 erhielt der britische Philosoph Bertrand Russell, den Preis für das Jahr 1949 der amerikanische Schriftsteller William Faulkner.

Die Welt der Unerlösten

Eine Rose für Emely“ heißt eine kleine Erzählung des amerikanischen Dichters William Faulkner. Es ist darin die Rede von einer Frau aus dem Orte Jefferson in den Südstaaten, deren Unheil darin besteht, nicht früh genug gestorben zu sein.

Die Lust zu fabulieren

Zuerst sprachen wir von seiner Tochter. Ihretwegen war er für ein paar Tage von Zürich an den Bodensee herübergekommen. „Individuum und Gemeinschaft im Werk Hermann Hesses“, hieß ihre erst jüngst in Bern abgeschlossene Doktordissertation.

Todesstrafe ist Überschreitung der Notwehr

Charles-Henri de Longval ist vierzehn Jahre alt, als das Schicksal zum erstenmal in sein Leben greift. Ein harmloser, lächerlicher Anlaß: nach langer Trennung kommt sein Vater aus Paris am Besuchstag in die Klosterschule von Rouen, um sich nach den Fortschritten des Sohnes zu erkundigen.

Zwei Nobelpreise für Literatur

Eine Inschrift am Tor der Akademie Platons versagte jedem den Eintritt, der nicht Geometrie gelernt hatte. Ohne Mathematik keine Philosophie, ohne Philosophie keine Sicherheit in der Staatslenkung.

Die neue Melusine

Oft denke ich, die Zeit der blauen Augen ist vorbei. Sie haben viele Herzen und viele Federn bewegt, ein ganzes Jahrhundert hat vor ihnen auf den Knien gelegen.

Die bösen Wirte von Basel

Der schweizerisch-amerikanische Handelskrieg, ausgelöst durch die amerikanische Offensive auf dem Uhrenmarkt, hat sich seit einiger Zeit auf den „Nebenkriegsschauplatz Coca Cola“ verlagert.

Bäume mit falschen Pässen

Aus Holland kamen Anfang des Jahres 200 000 Jungpflanzen, mit denen die deutschen Baumschulen ihren Bestand wiederaufbauen sollten; denn die „Obstbaum-Industrie“, die vor dem Krieg mehr exportierte als importierte, hatte seit 1945 weite Teile ihres Baumschulengebietes der „direkten Volksernährung“ zur Verfügung stellen müssen.

Dur und Moll

Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat vor einigen Tagen in Köln seinen zweiten Geburtstag gefeiert. Eine glänzende Rede des Bundeswirtschaftsministers über die Verpflichtungen des Unternehmers fand ebenso Beifall wie das, was Präsident Fritz Berg ausführte, Aus seinem Munde klang ernste Besorgnis über jüngst von gewerkschaftlicher Seite erfolgte Äußerungen zur Frage des Mitbestimmungsrechts.

Neuer Kurs für alte Steuern

Wir haben seit der Geldreform drei Steuerreformen erlebt (darunter zwei Tarifreformen;) jetzt stehen wir vor einer vierten Die Reformen haben bisher allgemein Beifall gefunden, denn sie führten uns schrittweise weg von dem berüchtigten Kontrollratgesetz Nr.

Andererseits: Exportförderung

In unserer Außenhandelskrise starre man gebannt auf die nächstliegende Ursache: auf den steigenden Import. Und den Export bezieht man als festes Datum in die Kalkulation ein.

Glanzstoff startet Perlonseide

Anfang November hat die Vereinigte Glanzstoff-Fabriken A. G., Wuppertal-Elberfeld, in ihrem Stammwerk Oberbruch bei Aachen die erste westdeutsche Perlonseidenfabrik in Betrieb genommen.

Hausse schafft neue Aspekte

Gute Nachrichten: Sukkurs ist auf dem Wege. Die Europäische Zahlungsunion (EZU) ist dem Bericht ihrer Gutachter Jacobsson und Cairncross beigetreten, und wenn die OEEC ebenso entscheidet, wie ihr „Ausschuß für Handel und Zahlungsverkehr“, wird die Bundesrepublik zur Heilung ihres Zahlungsbilanz-Defizits einen Sonderkredit von 180 Mill.

Fisch für 10 Millionen

Außerhalb des immer noch „auf Eis gelegten“ Interzonenhandels hat eine Gruppe von Firmen der Fischwirtschaft aus Hamburg, Bremerhaven und Schleswig-Holstein mit der sowjetischen Besatzungszone ein Abkommen auf Lieferung von Frischfischen, Fischfilets, Salzheringen und Fischindustrie – Erzeugnissen für insgesamt 10 Mill.

Mercedes-Stern im Export

Die Daimler-Benz AG., Stuttgart-Untertürkheim, kann über eine sehr erfreuliche Entwicklung ihres Exports berichten: gegenüber dem Vorjahre hat sich die Exportquote bisher verzehnfacht.

Post-Kundendienst

Hamburg ist heute neben Frankfurt/Main der wichtigste Hauptnetz-Knotenpunkt im Fernsprechverkehr Westdeutschlands. Es verfügt über 1300 Fernleitungen mit allein 56 Auslandsleitungen, während 1938 die Zahl der Fernleitungen nur 1160 betragen hatte.

„Hamburg“ unter Hapag-Flagge

Vor dem Kriege wehte die Flagge der Hapag auf allen Weltmeeren. Wo man sie auf internationalen Schiffsrouten und in den Häfen sah, war sie ein Symbol deutscher Leistung, dem Achtung und Anerkennung entgegengebracht wurden.

Die Sowjets in Sofia

„Es war die sowjetische Armee“ – so fuhr Weltscheff fort –, „die den bulgarischen Kommunisten an die Macht zu kommen half. Zwar gab es während des Krieges ein paar Kommunisten, die sich in den Gebirgsdörfern versteckten, ab und zu herunterkamen, sich mit einem Polizisten prügelten und dann wieder flüchteten.

Fromme Italienfahrt

Man brauchte nur einen kleinen Bogen mit Angaben über die eigene Person auszufüllen und 400 DM auf das Konto eines Osnabrücker Reisebüros einzuzahlen.

Kalmücken in Paraguay

Von allen „Verschleppten“ dieses Krieges waren die Kalmücken, die bisher als DPs im Lager bei Pfaffenhofen in Bayern lebten, die erfahrensten displaced persons – DPs seit nahezu 500 Jahren.

Zwischendurch:: Friedenskämpfer

In dem amtlichen sowjetischen Fremdwörterbuch (herausgegeben von den Professoren I. W. Liekin und F. N. Petrow im Staatsverlag Gosisdat, Moskau 1949), das jetzt auch in den Satellitenländern und der Sowjetzone Deutschlands vertrieben wird, heißt es auf Seite 484: „Pazifismus – bürgerliche Bewegung gegen jeden Krieg.

Noch keine Riesenrasse

Seit es den drei schwedischen Gelehrten, Professor Gösta Häggqvist, Dr. Allan Baue und Lizentiat Yngve Melander, gelungen ist, „triploide“ Kaninchen zu züchten, verstummen nicht die Gerüchte über Riesenkaninchen, Riesenschweine, Riesenkühe und – ja, warum denn nicht? – Riesen menschen! Aber die Wahrheit sieht zunächst viel weniger phantastisch aus.

Notizen für Reisende

Über 63 Millionen Autos haben Statistiker als Weltbestand errechnet. (Das sind 90 v. H. mehr als im Jahre 1930.) Davon entfallen auf Europa 11,87 Millionen und auf die Vereinigten Staaten 43,8 Millionen.

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