Von allen „Verschleppten“ dieses Krieges waren die Kalmücken, die bisher als DPs im Lager bei Pfaffenhofen in Bayern lebten, die erfahrensten displaced persons – DPs seit nahezu 500 Jahren. Jetzt haben diese Nachkommen der Goldenen Horde in Paraguay ein Aufnahmeland gefunden, das ihnen eine Heimat geben will. Nach dem Verfall des Groß-Mongolischen Reiches im 14. Jahrhundert blieben auch die west-mongolischen Kalmücken Staaten- und heimatlos und mußten seitdem hart um ihre Erhaltung als Volk ringen. Als Buddhisten und Nomaden blieben sie im allgemeinen zähe Gegner des Kommunismus, so daß auch die etwa 130 000 von ihnen, die die Sowjets in der Kalmückischen AutonomenSozialistischen Sowjetrepublik sammelten, trotz ihrer sprichwörtlichen Friedfertigkeit immer in den Existenzgrundlagen bedroht waren. Sie sind in den letzten Jahren nahezu geschlossen verschleppt worden, so daß keine Nachrichten über ihr derzeitiges Schicksal in Sibirien und die Höhe ihrer Verluste zu erlangen sind.

So sind die etwa 700 kalmückischen DPs in Deutschland der Rest der Nachkommen der Goldenen Horde in Europa – durch nationalsozialistische Verfolgung auf diesmal Stand reduziert. Trotz Fürsorge amerikanischer Betreuungsorganisationen blieb, ihr Nachkriegsschicksal bitter: Abstammung, Glaube und Sitten schieden sie von den anderen DPs, als kleinste Gruppe der fast 10 Millionen vermochten sie sich schwer Geltung zu verschaffen. Die Einwanderungsgesetze der USA sperrten ihnen als Asiaten die gemeinsame Auswanderungsmöglichkeit. Ein Einzelleben in einem fremden Lande wäre aber für sie untragbar gewesen. Eine Ansiedlung als Stamm in den Staaten des Vorderen Orients, die in vielem näher gelegen hätte, blieb ihnen aus religiösen Gründen verschlossen. Noch vor Jahresende wird nun eine Vorausabordnung von ihnen in den Südosten von Asuncion in Paraguay abreisen, wo ihnen eine private Unternehmergruppe Siedlungsland, Vieh und Arbeits- und Hausgerät zur Verfügung stellt. Walter Schenk