Rund 4,5 Milliarden DM muß die Bundes-11 republik jährlich an Besatzungskosten aufbringen. In offiziösen Gesprächen wird von einer bevorstehenden Erhöhung des Besatzungsetats auf 7, ja sogar 8 und 10 Milliarden DM gesprochen. Um jedem Mißverständnis vorzubeugen: Die Bundesrepublik ist sich ihrer Pflicht zur Aufbringung eines angemessenen Sicherheitsbeitrages voll bewußt. Regierung wie Opposition rufen nach einer Verstärkung, der Besatzungstruppen, weil sie das zur Zeit bestehende militärische Vakuum diesseits des Eisernen Vorhangs für außerordentlich gefährlich halten. Die Auffassung über den Besatzungszweck hat sich also auf deutscher, aber auch auf alliierter Seite grundsätzlich gewandelt. Die Deutschen erblicken in den Besatzungstruppen weniger die Repräsentanten der Sieger, als die Garanten eines auch sie schützenden Friedens. Die Alliierten aber wollen sich nicht mehr mit der Sowjetunion gegen Deutschland, sondern umgekehrt: mit Deutschland gegen die Sowjetunion sichern.

Ein so gründlicher Wandel der Ziele und Perspektiven muß aber natürlich auch die Zielsetzung des Besatzungsetats verändern. Sein Zweck kann heute nur noch in einem möglichst hohen militärischen Nutzen liegen. Gerade dies aber kommt in sehr vielen Posten nicht zum Ausdruck. Etwa ein Drittel der Gesamtsumme wird für die deutschen Angestellten der Besatzungsmächte ausgegeben. Es werden 39 000 Hausangestellte, 66 000 Kraftfahrer, 39 000 Angestellte des Gaststättengewerbes, 98 000 Bürokräfte, 48 000 sonstige Beschäftigte und 114 000 technische Arbeitskräfte einschließlich des deutschen Personals der Flugplätze aus Besatzungsmitteln bezahlt. Auf einen alliierten Besatzungsangehörigen kommen im Durchschnitt viereinhalb Deutsche, und wenn man den alliierten Einwendungen Rechnung trägt, daß hierbei einige technische Sondereinheiten nicht berücksichtigt wurden, so ist das Verhältnis immer noch 2,5:1.

Will man uns und den maßgebenden Stellen in Washington, London und Paris einreden, daß sich auf diesem Konto nicht einige hundert Millionen ersparen ließen? Sollten die kostspieligen alliierten Verwaltungsbehörden bis herunter auf die Kreisebene tatsächlich noch notwendig sein? Hier liegen zweifellos zahlreiche Möglichkeiten der Einsparung vor, die der Finanzierung neuer Besatzungstruppen dienen könnten. Es gibt aber auch noch andere Positionen, die nicht unbedingt notwendig erscheinen. Da sind etwa die Beschaffungspositionen: Für eine Sitzgarnitur, bestehend aus vier Sesseln und einem Sofa, wurden im Jahre 1949 beispielsweise 8800 DM aus Besatzungskosten ausgegeben, für einen einzigen Teppich über 16 000 DM, für 33 weitere Teppiche über 192 000 DM, für Frauenkleider im Gebiet der ehemaligen Bizone innerhalb von 9 Monaten 1 1/4 Millionen. Was hat das mit unserer Sicherheit zu tun?

Man wird einwenden, alle Ersparnisse, die auf diesen Posten erzielt werden könnten, reichten nicht aus. Mag sein. Aber zuerst muß das Überflüssige geopfert werden, bevor das Lebensnotwendige weiter geschmälert wird. R. S.