Der letzte Parteitag der regierenden Kongreßpartei Indiens in Nasik brachte eine Sensation; Premierminister Nehru und Staatspräsident Patel schlugen zwei verschiedene Kandidaten für das Amt des Präsidenten der Kongreßpartei vor: Kripalani und Tandon. Beide Kandidaten waren Anhänger Gandhis. Beide kritisieren, die gegenwärtige Regierung von Gandhis Schüler Nehru. Aber während Kripalani als ein aufgeschlossener Politiker mit einem weiten Horizont gilt, ist Tandon ein Hindu-Nationalist, der einenunnachgiebigen Kurs gegen Pakistan fordert.Kripalani unterlag. Tandon wurde gewählt.

Diese Vorgänge zeigen das ganze Dilemmader großen und bedeutenden Kongreßpartei. Das junge Indien brauchte die besten Köpfe für seine Verwaltung und für seinen Aufbau. Es nahm sie aus der Kongreßpartei, der Trägerin des indischen Freiheitskampfes. Und die Erfolge der indischen Politik haben gezeigt, daß Nehru zumindest für seine Zwecke eine wirkliche Elite um sich sammeln konnte. Die Kongreßpartei selbst aber wurde dadurch blutleer, ihr Prestige unterhöhlt. Die Leute, die heute dort das Ruder führen, sind oft mittelmäßigePersönlichkeiten, die noch vor zehn Jahren in der Partei keine Chance gehabt hätten. Skrupellose Personen, denen unter Gandhi und vor der Souveränitäts-Verleihung der Aufstieg in der Partei unmöglich war, können jetzt verhältnismäßig leicht in ihr aufrücken. So kommt es, daß die Kongreßpartei die Gefahr läuft, ihre Autorität als die Partei, die wirklich das ganze Land repräsentiert, zu verlieren. Überall im Lande gibt es Gruppen; innerhalb der Partei, die in den verschiedensten Richtungen arbeiten: Sie wollen die Partei reformieren, sie sind mit der Politik des Kabinetts nicht einverstanden, oder sie vertreten eigene geschäftliche oder dem Bedürfnis nach Macht entspringende Interessen. Und dennoch gibt es inganz Indien keine einzige andere politische Organisation, die in der Lage wäre, die Verantwortung zu übernehmen B. J. Modi