F. G. Rom, im November

Während Innenminister Scelba in dramatischen Parlamentssitzungen den Zeigefinger seiner „starken Hand“ auf kommunistische Illegalitäten richtet, fahren die Togliattianer seelenruhig fort, ihre Sprachorgane des bewaffneten Aufruhrs in einer staatlichen tipografia zu drucken. U.E.S.I.S.A. heißen die druckerbeschwärzten Säle in Rom, aus denen täglich 300 000 Exemplare der „Unità“, 40 000 nennianische „Avanti’s!“ und 60 000–70 000 unabhängig rote „Paese“-Nummern in die römischen Kioske und die Weinbauerndörfer Mittelitaliens hinausgehen.

Die U.E.S.I.S.A. ist ein faschistisches Erbe. Die mussolinianischen Staatspropagandisten hatten sie zu einer der größten Druckereien Roms ausgebaut. Als Aktiengesellschaft wurde sie den Korporationen zur Verfügung gestellt, und in dieser Form beschlagnahmten sie die alliierten Besetzer nach ihrer Ankunft in Italiens Hauptstadt. Im Februar 1945 gaben sie sie der italienischen Regierung zurück. Regierungschef war zu jener Zeit Ivanoe Bonomi, ein zartfühlender Mann, der zur Stärkung seiner Stellung den Kommunisten Palmiro Togliatti als Vizepräsidenten an seine Seite rief. Dieser Vizepräsident nun nahm sich in Rom ungestört des ex-faschistischen Eigentums an; sich selbst: und die Spitzengenossen brachte er in den Villen geflüchteter Faschisten unter und seine Presse in der Druckerei der aufgelösten faschistischen Gewerkschaften. Di Vittorio, der CGIL-Chef und Mitglied des Zentralkomitees der KPI‚ wurde Generaldirektor der U.E.S.I.S.A. und Lizzardri, ein Nenni-Sozialist, und Genosse Bibolotti seine Beisitzer. Sie dachten nicht daran, die Anlagen für den Staat zu liquidieren – das wäre, ihre Aufgabe gewesen –, sondern setzten rote Setzer hinein und begannen fleißig zu drucken. Nicht einmal Miete bezahlten sie.

Manches hat sich unterdessen in Italien geändert. Aber die „Unità“, der „Avanti!“ und das „Paese“ bezahlen noch immer keine Miete. In der Nähe von Forlì in der Romagna wurde ein Waffen- und Munitionslager ausgehoben, das der vollständigen Ausrüstung einiger regulärer Bataillone hätte dienen können. Die Sammler des Arsenals gehörten zur selben Partei, die in der U.E.S.I.S.I..A. die „Unità“ druckt. Worauf wartet Scelba noch, so fragen Italiens Demokraten.