Von unserem Berliner Korrespondenten

K. W. Berlin, im November

Noch einmal hat man im Osten die Fiktion aufrechterhalten, die neue Regierung Grotewohl sei eine Koalitionsregierung, an der alle politischen Parteiender Sowjetzone Anteil haben. Sie ist am 15. November gebildet worden und ähnelt dem sowjetischen. Vorbilde noch mehr als die erste Ostregierung. Die hinlänglich kompromitierten Figuren der Nuschke, Dertinger, Hamann, Loch stellen nun erneut zusammen mit Ulbricht, Zaisser, Grotewohl das neue Kabinett. Doch ihre Kabinettspositionen sind heute nicht mehr Ausdruck der Parteien, denen sie der Form nach angehören,sondern mehr ein Zeichen der völligen Gleichschaltung.

Doch auch die direkte Führung der SED hat sich durch die Aufgliederung verschiedener Ministerien weiter verstärkt.“ Nach Moskauer Vorbild bekommt jetzt Grotewohl fünf Stellvertreter statt wie bisher drei. Zu ihnen gehört auch der Parteichef der NDP, Dr. Bolz, ein Moskauemigrant von 1933. Aus 14 Ministerien der ersten Regierung sind nun 17 geworden. Das bisherige Industrieministerium wurde in ein Ministerium für Schwerindustrie, Maschinenbau und Leichtindustrie umgewandelt, und alle drei wurden mit Kommunisten besetzt. Zwei Ministerien, sind auch aus dem bisherigen Ministerium für Arbeit und Gesundheitswesen entstanden (das ehemalige Ministerium hatte der CDU-Funktionär Steidle verwaltet). Nun hat das abgetrennte Ministerium für Arbeit der Kommunist Chwalek bekommen. Außerdem erhielt die NDP, die der Kommunist Bolz führt und die die ehemaligen Offiziere und Pgs sammeln und sowjetisieren soll, eine Reihe von Staatssekretärposten, obgleich diese Partei niemals Gelegenheit hatte, festzustellen, ob sie überhaupt Wähler hat.