Voreilige Beobachter haben ihn den Bonner „Verteidigungsminister“ genannt. Spötter bezeichnen seine Dienststelle als „alliiertes Wohnungsamt“. Ein vom Bundeskanzler unterfertigtes Schreiben erklärte ihn zum Beauftragen für alle durch die zusätzliche Verstärkung der alliierten Truppen in Deutschland auftauchenden Fragen. Das ist der Mann, der fortan an Stelle des Generals Schwerin im deutsch-alliierten Sicherheitsausschuß den drei westlichen Generälen Ganeval, Hays und Wansbrough-Jones gegenübersitzen wird. Sein Name ist Öl auf die Wogen der Remilitarisierungs-Debatten: Theodor Blank.

Der Vorgänger war General Ihn ersetzt ein Gewerkschaftler. Das ist natürlich nicht der einzige, aber vielleicht der entscheidende Unterschied Zwischen Schwerin und Blank. Der Bundeskanzler jedenfalls ist überzeugt, daß er durch diesen Unterschied wieder einmal gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen hat. Er hofft, durch die Entlassung Schweins allen Vorwürfen über die Restaurierung der Militärs die Spitze abgebrochen zu haben. „Seht – ihr“, das etwa soll stattdessen die Bestallung Blanks den Gewerkschaften klarmachen, „einer, der euer Vertrauen hat, beaufsichtigt nun den Aufbau dieses Amtes. Ihr könnt also unbesorgt sein.“ Und endlich glaubt man im Palais Schaumburg noch, daß – wenn es später einmal zu-Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und den Befehlshabern der eventuell aufzustellenden deutschen Streitkräfte, kommen sollte – dann das Kabinett dank der Position Blanks in der Gewerkschaftsbewegung eine starke Stütze finden würde, die sonst nicht vorhanden wäre.

Blank selbst ist über sein neues Amt sicherlich nicht überglücklich. Wenn er überhaupt je an einen Kabinettsposten gedacht haben sollte, dann gewiß an keinen anderen als an den seines Parteifreundes Storch, an den Posten des Arbeitsministers. Sein Lebensweg mag dies erklären. Er wurde vor 45 Jahren im Lahndorf Elz im Westerwald geboren. Mit 14 Jahren ging er bereits auf Arbeit. 1933 entließ ihn Robert Ley aus seiner Stellung als Sekretär des Zentralverbandes der christlichen Fabrik- und Transportarbeiter, zu der er sich emporgearbeitet hatte. Arbeitslos. Blank nutzte.diese Zeit. Noch einmal drückte er die Schulbank. Mit 31 Jahren machte er sein Abitur. Dann begann er ein Ingenieurstudium. an der Universität Münster und der Technischen Hochschule Hannover. Der Krieg kam dazwischen. Doch wieder avancierte Blank, diesmal vom einfachen Soldaten zum Oberleutnant. Nach der Kapitulation trat er erneut der christlichen Gewerkschaftsbewegung und außerdem der CDU bei. Er wurde einer der drei Zentralvorsitzenden der Industriegewerkschaft Bergbau und Vorsitzender der Christlichen Demokraten in Dortmund. Im Zweizonenwirtschaftsrat fiel er durch seine Sachkenntnis in sozialen Fragen auf. Ein als Domäne des Zentrums geltender westfälischer Wahlkreis am Nordrand des Kohlenpotts schickte ihn 1949 für die CDU in den Bundestag. Blanks Programm, so sagt man, seien die sozialpolitischen Enzykliken des Papstes. Fest steht, daß seine Anschauungen ihn tatsächlich einen recht unabhängigen Kurs steuern lassen, der ihm manchen Freund und manchen Gegner einbrachte. Er ist ein prominenter Gewerkschaftler und gilt doch als Gegner der Sozialisierung; er gehört dem linken Flügel der CDU an und hat sich in dem Duell Adenauer–Arnold doch eindeutig zugunsten des Bundeskanzlers entschieden. Ob auch dies dazu beigetragen hat, ihn aus dem Plenum des Parlaments heraus auf die Regierungsbank zu holen? Wer wollte das entscheiden

Theodor Blank verfügt über drei in Bonn nicht allzu häufig zusammenfallende Eigenschaften: Er ist ein Mann der Praxis, er besitzt Zivilcourage und hat seinen einfachen Lebensstil nie aufgegeben. Drei Beispiele: Den Engländern, die als erste Rate für ihre Truppenverstärkungen in Hamm die Beschlagnahme des Kurhauses und von zehn Privathäusern forderten, hat Blank, in aller Stille und von der Öffentlichkeit unbemerkt, bereits heute fünf Häuser abgehandelt. Dem gesamten Personal des bisherigen Büros „Schwerin“ wurde von ihm als erste Amtshandlung zum 30. November gekündigt. Trotz seiner Bezüge, die sich etwa in der Höhe eines Staatssekretärsgehaltes bewegen (woraus denn wohl mancherorts irrtümlich geschlossen wurde, daß Blank auch einen solchen Rang bekleide), hat er seine einfache Dienstwohnung im Süden Dortmunds nicht aufgegeben.

Der neue Auftrag ist nach Bonner Art bis heute noch nicht klar umrissen. Vermutlich dürfte er auf die Errichtung eines Amtes für innere Sicherheit hinauslaufen. Doch so sagte Theodor Blank: „Alles hängt davon ab, wie sich die Dinge entwickelt“ Allein es sei auch vermerkt, Was ein Fraktionsmitglied hinzufügte: „Und alles hängt davon ab, wie Sie sich zum Alten einstellen werden...“ C. J.