Bundesdienststellen sind begehrte Objekte für Städte und Gemeinden: sie bringen Geld und heben das Prestige. Selbst um die Errichtung der bescheidenen Branntwein-Monopol-Verwaltung ist seit Wochen in Bonn ein Streit ausgebrochen, noch bevor das von der Bundesregierung vorgelegte neue Monopolgesetz beschlossen worden ist. Es geht um den Sitz der neuen Verwaltung. Für die Städte Nürnberg, Koblenz, Münster, Offenbach und sogar für Bückeburg haben sich einige Gruppen von Abgeordneten ausgesprochen, die das Sprit-Monopol für ihren Wahlbezirk reklamieren. Daß über den Parteienstreit edler Lokalpatriotismus siegte, geht daraus hervor, daß jetzt Bückeburg weitaus führend im Rennen um die Monopol-Verwaltung ist. Das dankt es der Fürsprache des Ministerpräsidenten Kopf und des Ministers Hellwege. Leider nimmt die niedersächsische Fürsprache auf die Kosten keine Rücksicht: sie belaufen sich allein zur Einrichtung auf rund 5 Mill. DM. Das Hauptargument zur Unterstützung der niedersächsischen Forderung ist der Hinweis, daß der überwiegende Teil der westdeutschen Branntwein-Produktion im Gebiet von Bückeburg ansässig ist. Allzu stichhaltig scheint aber dieser Hinweis nicht zu sein, denn aus Kreisen des Bundesverbandes Deutscher Kornbrennen e. V., Dortmund, erfahren wir, daß die beeiligten Kreise der westdeutschen Spirituswirtschaft nach wie vor für einen zentraler Platz eintreten. Sie denken dabei an Frankfurt, wo an einmaligen Kosten zur Einrichtung der Monopolverwaltung nur ganz unwesentliche Summen aufzuwenden wären.

Die einzige Stadt, die schon aus Tradition als Sitz in Frage käme, wäre Berlin, wo sich auch früier die Branntwein-Monopolstelle befand. Aber leider hat sich im Bundestag noch nicht die notwendige Gruppe von 10 Abgeordneten gefunden, um für Berlin zu plädieren. In Anbetracht der Beschlüsse der Bundesregierung und des Bundestages, recht viele Zentralverwaltungsstellen des Bundes nach Berlin zu legen, dürfte es in dieser Frage kaum eine Debatte geben. Aber Bundesregierung und Bundestag ignorieren auch maichmal ihre eigenen Beschlüsse, wie die Errichtung des Obersten Bundesgerichtes in Karlsruhe bewiesen hat. w. s.