Dreimal zeigt der Bericht des Enkels die Ahn-

frau dem Zehnjährigen erscheint auf der Bank im Terrassengarten über Marseille die verschlossene Frau „mit blicklosen Augen und schattenverzehrtem Mund“, der er auf sinnlosen Gängen folgen muß und die er widerwillig liebt, weil sie ihm Süßigkeiten schenkt; dem Zwanzigjährigen entsteht das Bild eines Wesens, das in seiner Jugend von allen geliebt wurde und das aufgehört hat zu leben, als der geliebte Mann starb; der Dreißigjährige findet einen schon fast verwesenden Körper, in dem sich die unbändige Leidenschaft von einst in eine panische Todesfurcht verwandelt hat und den er nun liebt und verwöhnt, weil er ihm schenken kann. In allen drei Phasen ist diese Aristokratin mit dem „Gesicht aus Damaszenerstahl“ die Beherrscherin ihrer Umwelt, obwohl diese schon gar nicht mehr in ihr Bewußtsein dringt. Das ist „Die Nonna“, nach der die deutsche Ausgabe von Jean Gionos großer, dreiteiliger Novelle „Mort d’un Personnage“ genannt ist (J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf., Stuttgart, 195 Seiten, Leinen 7,80 DM). Das Schreibverbot, das Giono nach Kriegsende auferlegt worden war, hat den Ton seines Erzählens noch gedrängt ter, aufgestauter werden lassen. Der Zug ins Dunkle, Spätantik-Mythische hat sich vollendet, ohne daß die Schilderung das mindeste an sinnlicher Schärfe eingebüßt hätte: „... die Stadt mit ihrer Forellenhaut, auf der die grünen und blauen und rosigen Schauer der Ziegel und Metalle, der Glasscheiben und Dünste spielten ...“ I. H.